WEBVTT - generated by Videoportal der Uni Paderborn

1
00:01:00.000 --> 00:01:01.000
Herzlich willkommen!

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00:01:01.000 --> 00:01:04.000
Herzlich Willkommen zur Diskussionsveranstaltung

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00:01:04.000 --> 00:01:07.000
an der Universität Paderborn.

4
00:01:07.000 --> 00:01:11.000
Ich begrüße ganz herzlich unsere Gäste hier
auf dem Podium.

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00:01:11.000 --> 00:01:17.000
Unsere Gäste in der Präsenz,

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00:01:18.000 --> 00:01:20.000
im Publikum und auch im Zoom-Raum?

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00:01:21.000 --> 00:01:23.000
Es haben sich einige Leute

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00:01:23.000 --> 00:01:25.000
zugeschaltet, was ich ganz wunderbar finde.

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00:01:26.000 --> 00:01:29.000
Mein Kollege Stefan Hermes

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00:01:29.000 --> 00:01:31.000
von der Universität Duisburg-Essen

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00:01:31.000 --> 00:01:34.000
und ich wollen heute Abend mit Ihnen und euch

12
00:01:35.000 --> 00:01:38.000
Intersektionalität als ein mögliches neues
Paradigma

13
00:01:38.000 --> 00:01:41.000
in Literaturwissenschaft und Literatur Didaktik
in den Blick nehmen.

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00:01:42.000 --> 00:01:45.000
Anlass hierfür ist die Beobachtung,

15
00:01:45.000 --> 00:01:48.000
dass seit geraumer Zeit in den Sozialwissenschaften

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00:01:48.000 --> 00:01:51.000
intersektionale Perspektiven weitverbreitet
sind.

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00:01:52.000 --> 00:01:55.000
Derlei Perspektiven in der germanistischen
Literaturwissenschaft

18
00:01:55.000 --> 00:01:59.000
und Didaktik noch vergleichsweise selten besprochen
werden.

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00:02:00.000 --> 00:02:03.000
Das Interesse am Intersektionalitätsparadigma
nimmt

20
00:02:03.000 --> 00:02:07.000
aber auch hier merklich zu, mitunter angestoßen

21
00:02:07.000 --> 00:02:10.000
durch die hier vertretenen Gäste auf dem Podium.

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00:02:11.000 --> 00:02:13.000
Diese Beobachtung bezieht sich ebenso

23
00:02:13.000 --> 00:02:17.000
auf die NDL als auch die LDL und die Literaturdidaktik.

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00:02:19.000 --> 00:02:21.000
Was uns umtreibt und

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00:02:22.000 --> 00:02:24.000
zu dieser Veranstaltung motiviert hat,

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00:02:24.000 --> 00:02:27.000
ist die Frage, welche neuen Erkenntnisinteressen

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00:02:27.000 --> 00:02:31.000
und Literaturästhetischen Erfahrungen auch
für Schüler*innen

28
00:02:32.000 --> 00:02:34.000
sich hieraus ergeben

29
00:02:34.000 --> 00:02:37.000
und wie sich das Verhältnis zwischen intersektionalen
Zugängen

30
00:02:37.000 --> 00:02:41.000
auf der einen Seite und schon länger präsenten
Ansätzen

31
00:02:41.000 --> 00:02:43.000
auf der anderen Seite künftig darstellen könnte.

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00:02:45.000 --> 00:02:46.000
Interessant scheinen die Überlegungen,

33
00:02:46.000 --> 00:02:50.000
was das eigentlich neue am Intersektionalitätsparadigma
ist.

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00:02:50.000 --> 00:02:52.000
Wenn wir uns vergegenwärtigen,

35
00:02:52.000 --> 00:02:55.000
dass darüber durchaus andere Lesarten entstehen
können,

36
00:02:56.000 --> 00:03:01.000
die wiederum Auswirkungen auf das auf die Welt
bildnerische Funktion von Literatur,

37
00:03:01.000 --> 00:03:04.000
wie es im fachdidaktischen Diskurs heißt,
nehmen können.

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00:03:06.000 --> 00:03:08.000
Was mit den unterschiedlichen Lesarten gemeint

39
00:03:08.000 --> 00:03:11.000
ist, die ganz unterschiedlich weltbildnerisch
tätig werden können,

40
00:03:12.000 --> 00:03:15.000
machen wir eingangs an einem Textbeispiel konkret.

41
00:03:16.000 --> 00:03:19.000
In dem Nachkriegs Roman Tauben im Gras von
Wolfgang Koeppen

42
00:03:19.000 --> 00:03:21.000
tritt die weiß situierte Figur

43
00:03:21.000 --> 00:03:25.000
Josef als Kofferträger der schwarzen Figur
Odysseus auf.

44
00:03:25.000 --> 00:03:28.000
Die Koeppenforschung spricht in diesem Zusammenhang
von einem

45
00:03:28.000 --> 00:03:32.000
umgekehrten Herr-Diener-Verhältnis und deutet
die Figurenkonstellation

46
00:03:32.000 --> 00:03:35.000
als einen Rassismus mit umgekehrten Vorzeichen.

47
00:03:37.000 --> 00:03:37.000
Wenn man

48
00:03:37.000 --> 00:03:41.000
dies aus intersektionaler Perspektive in den
Blick nimmt, wäre nicht allein

49
00:03:41.000 --> 00:03:45.000
die Kategorie “race”, sondern ebenso die
Kategorie “class”

50
00:03:45.000 --> 00:03:50.000
und ihr spezifisches Verhältnis zueinander
zu berücksichtigen.

51
00:03:50.000 --> 00:03:56.000
Deutlich wird dann ein Bruch in der Situierung
der Josef Figur als mächtig,

52
00:03:56.000 --> 00:03:58.000
weil weiß,

53
00:03:58.000 --> 00:04:00.000
der durch die Deklassierung der weißen Figur
ausgelöst wird,

54
00:04:00.000 --> 00:04:03.000
während die schwarze Figur auch in der vergleichsweise
sozial

55
00:04:03.000 --> 00:04:06.000
höheren Position noch Rassismus Erfahrungen
macht.

56
00:04:07.000 --> 00:04:10.000
Zu fragen wäre zudem, inwiefern in Koeppens
Roman eventuell

57
00:04:10.000 --> 00:04:13.000
auch spezifische Männlichkeitskonzepte eine
Rolle spielen.

58
00:04:14.000 --> 00:04:18.000
Für den Literaturunterricht an Schulen und
auch Hochschulen

59
00:04:18.000 --> 00:04:19.000
stellt sich an diesem Beispiel

60
00:04:19.000 --> 00:04:23.000
die Frage, wie mit solchen unterschiedlichen
Lesarten umzugehen ist

61
00:04:23.000 --> 00:04:27.000
und welche Lern-Settings es möglicherweise
braucht, um Texte in der hier

62
00:04:27.000 --> 00:04:32.000
nur anskizzierten ästhetischen Komplexität
zu greifen.

63
00:04:32.000 --> 00:04:35.000
Solche und weitere Fragen wollen wir diskutieren,

64
00:04:35.000 --> 00:04:39.000
und zwar hier in den Räumlichkeiten der Studiobühne.

65
00:04:39.000 --> 00:04:41.000
Ja, ich darf kurz übernehmen.

66
00:04:42.000 --> 00:04:46.000
Ich freue mich sehr, dass ich hier zu Gast
sein darf an der Uni Paderborn

67
00:04:47.000 --> 00:04:50.000
und mit Magdalena Kißling zusammen die Moderation
übernehmen darf.

68
00:04:51.000 --> 00:04:52.000
Mein Name ist

69
00:04:52.000 --> 00:04:56.000
Stefan Hermes von der Uni Duisburg-Essen und
mein erster, aber durchaus wichtiger

70
00:04:57.000 --> 00:05:02.000
Job ist es nun, die anwesenden Diskussionsgäste
vorzustellen.

71
00:05:02.000 --> 00:05:05.000
Und ich tue das in alphabetischer Reihenfolge.

72
00:05:06.000 --> 00:05:09.000
Beginnend mit Judith Balint, die links neben
mir sitzt

73
00:05:10.000 --> 00:05:13.000
und die Direktorin des Fritz

74
00:05:13.000 --> 00:05:16.000
Hüser Instituts für Literatur und Kultur
der Arbeitswelt ist.

75
00:05:16.000 --> 00:05:19.000
Und zwar in Dortmund. Sie war zuvor.

76
00:05:19.000 --> 00:05:23.000
Ich werde jetzt nicht den ganzen CV präsentieren,
aber einige Stationen.

77
00:05:24.000 --> 00:05:28.000
Sie war zuvor nämlich an der Universität
Duisburg Essen tätig.

78
00:05:28.000 --> 00:05:29.000
Daher kenne ich sie noch.

79
00:05:29.000 --> 00:05:32.000
Dort hat sie das Graduiertenkolleg, die Arbeit

80
00:05:32.000 --> 00:05:35.000
und ihre Subjekte koordiniert.

81
00:05:36.000 --> 00:05:39.000
Davor wiederum ist sie an der Uni in Mannheim
tätig gewesen.

82
00:05:39.000 --> 00:05:44.000
Gastdozenturen haben sie unter anderem nach
Ljubljana und Prag geführt

83
00:05:44.000 --> 00:05:48.000
und sie hat noch an einer anderen Bildungsinstitution
mitgewirkt.

84
00:05:48.000 --> 00:05:51.000
Und ich glaube, das ist irgendwie wichtig,
obwohl ich nicht genau weiß,

85
00:05:51.000 --> 00:05:52.000
in welcher Form.

86
00:05:52.000 --> 00:05:55.000
Aber es steht doch in dem CV und deswegen dachte
ich, ich finde es auch wichtig.

87
00:05:55.000 --> 00:05:56.000
Sie war nämlich lange

88
00:05:56.000 --> 00:05:59.000
und das unterscheidet sie von vielen Kolleg*innen

89
00:05:59.000 --> 00:06:03.000
in einem nicht akademischen Beruf tätig, relativ
lange, nämlich

90
00:06:03.000 --> 00:06:06.000
als Erzieherin im staatlichen Kindergarten
Nummer sechs in Sighișoara.

91
00:06:07.000 --> 00:06:11.000
Also das ist sicherlich für den Bildungsweg
irgendwie auch

92
00:06:11.000 --> 00:06:13.000
ein wichtiger Faktor gewesen.

93
00:06:13.000 --> 00:06:16.000
Ich komme jetzt aber zurück zum akademischen,
im engen Sinne,

94
00:06:16.000 --> 00:06:19.000
und das heißt zu den Schriften von Iuditha
Balint

95
00:06:20.000 --> 00:06:23.000
und nenne da zuerst und vielleicht auch,

96
00:06:23.000 --> 00:06:27.000
weil es die wichtigste Arbeit ist für mich
ganz sicher in dieser Bewertung.

97
00:06:28.000 --> 00:06:31.000
Die Dissertation mit dem Titel Erzählte Entgrenzung.

98
00:06:31.000 --> 00:06:34.000
Arbeit zu Beginn des 21. Jahrhunderts.

99
00:06:34.000 --> 00:06:38.000
Eine Literatur- und medienwissenschaftliche
Arbeit ist das.

100
00:06:39.000 --> 00:06:42.000
Iuditha Balint hat aber auch zahlreiche Bände
herausgegeben.

101
00:06:42.000 --> 00:06:45.000
Hier verweise ich auf den Band Literarische
Ökonomik,

102
00:06:45.000 --> 00:06:48.000
der eben dieses Forschungsfeld konturiert.

103
00:06:48.000 --> 00:06:52.000
Gemeinsam mit Sebastian Zilles von 2014 und
ein Band,

104
00:06:52.000 --> 00:06:54.000
das ist mir irgendwie sehr nahe.

105
00:06:54.000 --> 00:06:58.000
Deswegen nenne ich das auch zu Goethe und die
Arbeit,

106
00:06:58.000 --> 00:07:01.000
ich belasse es dabei,

107
00:07:01.000 --> 00:07:04.000
denn es gibt noch andere Anwesende, die auch
vorzustellen sind.

108
00:07:04.000 --> 00:07:05.000
Ich freue mich jedenfalls sehr,

109
00:07:05.000 --> 00:07:09.000
dass du da bist und wir mit dir sprechen und
diskutieren können.

110
00:07:10.000 --> 00:07:12.000
Ich schreite voran im Alphabet

111
00:07:12.000 --> 00:07:15.000
und bin immer noch beim Buchstaben B und damit
bei Eva Blome.

112
00:07:16.000 --> 00:07:19.000
Die sich hier neben Magdalena Kißling sehen.

113
00:07:20.000 --> 00:07:24.000
Eva Blome ist Vertretungsprofessorin für Neuere
Deutsche Literatur,

114
00:07:24.000 --> 00:07:27.000
seit einiger Zeit schon an der Universität
in Hamburg.

115
00:07:27.000 --> 00:07:31.000
Zuvor hatte sie eine Juniorprofessur für Gender
Studies

116
00:07:31.000 --> 00:07:36.000
im Bereich Literatur und Literaturtheorie an
der Universität Greifswald inne,

117
00:07:36.000 --> 00:07:39.000
und davor war sie in verschiedenen Positionen

118
00:07:39.000 --> 00:07:42.000
an der Universität Konstanz tätig.

119
00:07:42.000 --> 00:07:44.000
Auch sie hat Auslandsaufenthalte

120
00:07:45.000 --> 00:07:48.000
in ihrer akademischen Vita, die mir wichtig
zu sein scheinen,

121
00:07:48.000 --> 00:07:52.000
zum Beispiel an die Universität California
in Irvine oder in Chicago.

122
00:07:54.000 --> 00:07:54.000
Zu den

123
00:07:54.000 --> 00:07:59.000
Publikationen, die ich nennen möchte, gehört
wiederum zuvorderst

124
00:07:59.000 --> 00:08:03.000
die Dissertation, die den Titel trägt Reinheit
und Vermischung.

125
00:08:03.000 --> 00:08:07.000
Und im Untertitel wird dann klar Es geht hier
um literarische, kulturelle

126
00:08:07.000 --> 00:08:10.000
Entwürfe von Rasse in Anführungszeichen und
Sexualität

127
00:08:11.000 --> 00:08:14.000
im Zeitraum von 1900 bis 1930.

128
00:08:14.000 --> 00:08:18.000
Es liegen auch weitere Monographien vor zu
Gleichstellungspolitik

129
00:08:18.000 --> 00:08:20.000
Das ein Betätigungsfeld von Eva Blome auch

130
00:08:21.000 --> 00:08:24.000
lange gewesen und vielleicht immer noch bin
ich mir nicht

131
00:08:25.000 --> 00:08:26.000
ganz sicher.

132
00:08:26.000 --> 00:08:29.000
Und unter den Herausgaben sei erwähnt

133
00:08:29.000 --> 00:08:34.000
ein Band mit Philipp Lamers und Sarah Seidel
herausgegeben, sehr aktuell.

134
00:08:34.000 --> 00:08:39.000
Autosozio, Biographie, Poetik und Politik lautet
der Untertitel

135
00:08:39.000 --> 00:08:43.000
und ich möchte schon hinweisen auf eine Publikation,

136
00:08:43.000 --> 00:08:46.000
bis zu deren Erscheint es noch etwas dauern
wird, die aber für uns

137
00:08:47.000 --> 00:08:51.000
und den Kontext, in dem wir uns heute bewegen,
sicher von einiger Relevanz ist.

138
00:08:52.000 --> 00:08:55.000
Das ist die Habilitationsschrift von Eva Blome,
die abgeschlossen

139
00:08:55.000 --> 00:08:58.000
ist, aber eben noch nicht erschienen, und die
trägt den Titel

140
00:08:59.000 --> 00:09:01.000
Wenn der bei der Publikation denn gleich bleiben
wird.

141
00:09:01.000 --> 00:09:06.000
Ungleiche Verhältnisse Bildungsgeschichten
als literarische Soziologie.

142
00:09:06.000 --> 00:09:08.000
Und es geht sowohl um Literatur des 18.

143
00:09:08.000 --> 00:09:10.000
und 19. Jahrhunderts als auch der Gegenwart.

144
00:09:10.000 --> 00:09:11.000
Auch hier

145
00:09:12.000 --> 00:09:13.000
nenne ich keine

146
00:09:13.000 --> 00:09:17.000
Aufsätze, auch wenn viele die Lektüre lohnen.

147
00:09:17.000 --> 00:09:20.000
Und obwohl sich darunter ganz grundlegende
Arbeiten gerade auch zum Begriff

148
00:09:21.000 --> 00:09:25.000
der Intersektionalität im literatur- und kulturwissenschaftlichen
Kontext befinden.

149
00:09:25.000 --> 00:09:30.000
Ich gehe aber über zur Vorstellung von Urte
Helduser, die Sie hier

150
00:09:31.000 --> 00:09:34.000
rechts von mir sehen, außen sitzend,

151
00:09:35.000 --> 00:09:39.000
und als Professorin für deutsche Literatur
der Neuzeit unter besonderer

152
00:09:39.000 --> 00:09:41.000
Berücksichtigung von Literaturtheorie,

153
00:09:42.000 --> 00:09:45.000
und zwar an der Universität in Oldenburg.

154
00:09:45.000 --> 00:09:48.000
Zuvor hatte sie verschiedene Positionen an
den Universitäten

155
00:09:48.000 --> 00:09:52.000
in Köln, Kassel und Marburg inne und hat Professuren
vertreten,

156
00:09:53.000 --> 00:09:56.000
zum Beispiel in Hannover und in Marburg.

157
00:09:56.000 --> 00:09:59.000
Ihre Forschungsschwerpunkte sind breit gefächert.

158
00:09:59.000 --> 00:10:02.000
Ich greife nur einiges heraus, zum Beispiel

159
00:10:02.000 --> 00:10:05.000
den Zusammenhang von Literatur und Wissen.

160
00:10:05.000 --> 00:10:09.000
Die Disability Studies Fragen von Intermedialität.

161
00:10:10.000 --> 00:10:12.000
Wie gesagt, um nur einiges zu nennen.

162
00:10:12.000 --> 00:10:17.000
Und auch hier gehe ich dann zu den Publikationen
über.

163
00:10:17.000 --> 00:10:21.000
Eine Monografie, die vorliegt: Die Dissertation
trägt den Titel

164
00:10:21.000 --> 00:10:27.000
Geschlechter, Programme, Konzepte der literarischen
Moderne um 1900. Und

165
00:10:28.000 --> 00:10:29.000
auch ein

166
00:10:29.000 --> 00:10:33.000
wirklich faszinierendes Buch ist dann die Habilitationsschrift,

167
00:10:33.000 --> 00:10:36.000
die den Titel trägt Imaginationen des monströsen

168
00:10:36.000 --> 00:10:40.000
Wissen, Literatur und Poetik der Missgeburt.

169
00:10:41.000 --> 00:10:44.000
Was ich erwähnen möchte unter den Herausgeberschaft

170
00:10:44.000 --> 00:10:49.000
wiederum ist ein Band, der sich befasst mit
konstruktivistischen Perspektiven

171
00:10:49.000 --> 00:10:52.000
in feministischer Theorie und Forschungspraxis.

172
00:10:53.000 --> 00:10:56.000
Zusammen mit drei Kolleginnen vorgelegt und
ein Band

173
00:10:56.000 --> 00:11:01.000
Spielräume des anderen Geschlecht und Alterität
im postdramatischen Theater

174
00:11:02.000 --> 00:11:05.000
mit Nina Birkner und Andrea Geyer herausgegeben.

175
00:11:06.000 --> 00:11:08.000
Auch hier ließe sich noch vieles weitere sagen.

176
00:11:08.000 --> 00:11:10.000
Ich gehe aber dazu über last not least

177
00:11:11.000 --> 00:11:13.000
auch unseren

178
00:11:13.000 --> 00:11:16.000
Gast hier von mir aus gesehen ganz links außen
vorzustellen.

179
00:11:17.000 --> 00:11:19.000
Und das wiederum ist Jan Standtke.

180
00:11:20.000 --> 00:11:23.000
Herr Standtke ist Inhaber des Lehrstuhls für
Didaktik der deutschen Literatur

181
00:11:24.000 --> 00:11:27.000
an der TU in Braunschweig und zuvor

182
00:11:27.000 --> 00:11:32.000
war er tätig als W1 Professor für Fachdidaktik

183
00:11:32.000 --> 00:11:36.000
in Magdeburg, davor an der Uni in Osnabrück.

184
00:11:36.000 --> 00:11:39.000
Er hat Gastdozenturen vor allem in Spanien

185
00:11:40.000 --> 00:11:42.000
schon mehrfach angetreten und

186
00:11:42.000 --> 00:11:46.000
hat viele Funktionen übernommen und viel gewirkt

187
00:11:46.000 --> 00:11:49.000
im Feld der Literaturdidaktik und nicht nur
dort,

188
00:11:49.000 --> 00:11:54.000
aber etwa als Herausgeber von Literatur im
Unterricht Texte der Gegenwartsliteratur

189
00:11:54.000 --> 00:11:55.000
für die Schule.

190
00:11:55.000 --> 00:11:57.000
Und er ist aber auch Herausgeber

191
00:11:57.000 --> 00:11:59.000
oder Mitherausgeber von Euphorion,

192
00:11:59.000 --> 00:12:03.000
also der sehr traditionsreichen Zeitschrift
für Literaturgeschichte.

193
00:12:04.000 --> 00:12:08.000
Was sicherlich auch der Erwähnung bedarf

194
00:12:08.000 --> 00:12:11.000
oder zumindest es verdient, erwähnt zu werden,
ist, dass Herr Standtke

195
00:12:11.000 --> 00:12:15.000
vielfach auch in Jurys oder als Kritiker sich
betätigt hat,

196
00:12:15.000 --> 00:12:18.000
zum Beispiel beim Deutschen Jugendliteraturpreis,

197
00:12:18.000 --> 00:12:21.000
den er in einigen Jahren mitverantwortet hat.

198
00:12:22.000 --> 00:12:27.000
Von den Publikationen sei wiederum genannt
eine Monografie mit dem Titel Resonanz

199
00:12:27.000 --> 00:12:32.000
und Krise der Theorie Konzeptualisierung in
der deutschen Literaturwissenschaft.

200
00:12:32.000 --> 00:12:37.000
Das ist die überarbeitete Dissertation, und
bald erscheint ein Band.

201
00:12:37.000 --> 00:12:39.000
Also ich glaube, er ist noch nicht draußen,

202
00:12:39.000 --> 00:12:40.000
der sicherlich

203
00:12:40.000 --> 00:12:44.000
ganz grundlegend werden wird und vieles, was
sie seit langem betreiben,

204
00:12:45.000 --> 00:12:46.000
zusammenbringt.

205
00:12:46.000 --> 00:12:48.000
Und er trägt den schlichten, aber vielversprechenden

206
00:12:48.000 --> 00:12:52.000
Titel Gegenwartsliteratur im Deutschunterricht.

207
00:12:55.000 --> 00:12:58.000
Ich könnte noch den Band zu Wolfgang Herrndorf,

208
00:12:58.000 --> 00:13:00.000
den er herausgeben hat, erwähnen.

209
00:13:00.000 --> 00:13:01.000
Tue das jetzt so en passant.

210
00:13:01.000 --> 00:13:05.000
Ich glaube, wir steigen aber sinnvollerweise
ein in die Diskussion.

211
00:13:05.000 --> 00:13:10.000
Ich freue mich sehr, dass Sie und dass ihr
hier seid und wir beginnen können.

212
00:13:10.000 --> 00:13:14.000
Zum Prozedere sei von meiner Seite nur das
Folgende noch gesagt.

213
00:13:15.000 --> 00:13:18.000
Es wird ein Eingangsstatement aller Gäste
geben,

214
00:13:19.000 --> 00:13:22.000
wiederum in alphabetischer Reihenfolge zu der
Frage

215
00:13:22.000 --> 00:13:25.000
Das muss ich gleich gar nicht im Einzelnen
vorweg nehmen,

216
00:13:25.000 --> 00:13:28.000
aber was Intersektionalität als Begriff oder
als Konzept

217
00:13:29.000 --> 00:13:34.000
für den jeweiligen Gast bedeutet und für
die Arbeit der jeweiligen Person.

218
00:13:34.000 --> 00:13:39.000
Und nachdem diese Runde hinter uns liegt und
wir so eine erste Standortbestimmung

219
00:13:39.000 --> 00:13:45.000
dann kennen, wird es zu einem Teil dieses Abends
kommen, den

220
00:13:46.000 --> 00:13:48.000
Magdalena und ich mit Fragen bestreiten.

221
00:13:48.000 --> 00:13:51.000
Dann darf ich um das erste Eingangsstatement
bitten.

222
00:13:51.000 --> 00:13:55.000
Die sollen jeweils kurz ausfallen und wie gesagt

223
00:13:55.000 --> 00:13:57.000
wieder in alphabetischer Reihenfolge. Iuditha.

224
00:13:57.000 --> 00:14:00.000
Schön, dass du da bist und schön, dass du
anfängst.

225
00:14:01.000 --> 00:14:03.000
Ja, vielen Dank für die Einladung.

226
00:14:03.000 --> 00:14:06.000
Und schön, dass Sie da sind.

227
00:14:07.000 --> 00:14:11.000
Ihr habt uns in einer Email, die zumindest

228
00:14:11.000 --> 00:14:17.000
zwei von uns bis heute fast übersehen hätten,
drei Fragen gestellt.

229
00:14:17.000 --> 00:14:17.000
Im Grunde.

230
00:14:17.000 --> 00:14:20.000
Und die erste war, inwiefern

231
00:14:21.000 --> 00:14:24.000
wir den Intersektionalitätsbegriff

232
00:14:24.000 --> 00:14:27.000
in unserer Forschung und Lehre verwenden.

233
00:14:27.000 --> 00:14:31.000
Die zweite Frage war, welche Vorteile sich
aus der Verwendung

234
00:14:33.000 --> 00:14:37.000
dieses Begriffs oder Konzepts vielleicht auch
ergeben.

235
00:14:37.000 --> 00:14:40.000
Und die dritte Frage war,

236
00:14:40.000 --> 00:14:43.000
welcher Klärungsbedarf möglicherweise für
uns

237
00:14:44.000 --> 00:14:48.000
als einzelne Forscher*innen dabei

238
00:14:48.000 --> 00:14:50.000
noch besteht und ich hatte mir jetzt

239
00:14:51.000 --> 00:14:54.000
Gedanken darüber gemacht,

240
00:14:54.000 --> 00:14:57.000
was für mich hier Forschung und Lehre sein
soll. Denn

241
00:14:58.000 --> 00:15:00.000
das Institut ist eine

242
00:15:00.000 --> 00:15:04.000
außeruniversitäre Forschungseinrichtung.

243
00:15:04.000 --> 00:15:09.000
Das heißt, ich muss nicht lehren, ich darf,
wenn ich möchte, aber ich darf

244
00:15:09.000 --> 00:15:13.000
und muss und möchte mit dem Institut einen
Bildungsauftrag

245
00:15:14.000 --> 00:15:18.000
erfüllen, den die Stadt Dortmund an dieses
Institut stellt.

246
00:15:18.000 --> 00:15:22.000
Das heißt, ich forsche und ich

247
00:15:23.000 --> 00:15:27.000
mache Vermittlungsarbeit in die Stadtgesellschaft
hinaus,

248
00:15:28.000 --> 00:15:32.000
aber auch über die Stadt Dortmund hinweg.

249
00:15:32.000 --> 00:15:36.000
In der Forschung ist für mich oder

250
00:15:36.000 --> 00:15:40.000
ich verwende den Intersektionalitätsbegriff
in einer

251
00:15:42.000 --> 00:15:46.000
sozusagen kritisch transformativen Art und
Weise

252
00:15:47.000 --> 00:15:49.000
und mit diesem Anspruch kritisch

253
00:15:49.000 --> 00:15:52.000
transformative Forschung zu betreiben,

254
00:15:53.000 --> 00:15:58.000
aber auch in der Überzeugung, dass die Kritik
von Wissensstrukturen

255
00:15:58.000 --> 00:16:02.000
ganz eng mit der Kritik von Machtstrukturen
zusammenhängt

256
00:16:02.000 --> 00:16:06.000
und mit der Sichtbarmachung der Diskriminierungsprinzipien,

257
00:16:06.000 --> 00:16:11.000
die möglicherweise in Texten enthalten sind.

258
00:16:11.000 --> 00:16:13.000
Das ist der

259
00:16:13.000 --> 00:16:16.000
der sozusagen theoretisch reflektierte

260
00:16:16.000 --> 00:16:19.000
Begriff, mit dem ich arbeite.

261
00:16:20.000 --> 00:16:24.000
Und zweitens wie gesagt, Lehre betreibe ich
nicht, dafür

262
00:16:24.000 --> 00:16:25.000
aber kulturelle Arbeit.

263
00:16:25.000 --> 00:16:32.000
Und dort findet der Begriff der Intersektionalität
keine Verwendung, dafür

264
00:16:32.000 --> 00:16:37.000
aber eine Art seiner Artikulation sozusagen.

265
00:16:37.000 --> 00:16:42.000
Und das ist der Begriff der Diversität, also
das heißt, da denken wir als

266
00:16:42.000 --> 00:16:46.000
Institution, die sowohl Forschungs- als auch
kulturelle Arbeit

267
00:16:47.000 --> 00:16:51.000
betreibt, darüber nach, wie kulturelle Institutionen
wie zum Beispiel auch

268
00:16:51.000 --> 00:16:57.000
das Institut mit ihrem Wirken Diversität fördern,
Diversität herstellen können.

269
00:16:57.000 --> 00:17:02.020
Das ist aber ein politisch, ein kulturpolitischer
Begriff von

270
00:17:03.020 --> 00:17:03.020
oder ein

271
00:17:03.020 --> 00:17:07.020
kulturpolitisches Verständnis von Intersektionalität,

272
00:17:08.020 --> 00:17:12.020
der zunächst mit der Forschung nicht unbedingt
zu tun haben

273
00:17:12.020 --> 00:17:14.020
muss, den wir aber auch natürlich

274
00:17:17.020 --> 00:17:20.020
theoretisch reflektieren können und es auch
tun.

275
00:17:20.020 --> 00:17:25.020
Und wenn ich wir sage, denn dann sind es die
Mitarbeiter*innen

276
00:17:26.020 --> 00:17:28.020
am Institut.

277
00:17:29.020 --> 00:17:31.020
Die zweite Frage war, welche Vorteile sich

278
00:17:31.020 --> 00:17:36.020
aus der Begriffsverwendung ergeben würden.

279
00:17:36.020 --> 00:17:39.020
Und das ist sehr spannend,

280
00:17:39.020 --> 00:17:41.020
eine spannende Frage,

281
00:17:41.020 --> 00:17:45.020
weil ich in letzter Zeit sehr viel über den
Literaturbetrieb nachgedacht habe,

282
00:17:45.020 --> 00:17:49.020
in der Forschung wie auch in der Vermittlungsarbeit.

283
00:17:49.020 --> 00:17:52.020
Und da ist es sehr ergiebig,

284
00:17:52.020 --> 00:17:55.020
in der Sektion zu arbeiten, denn

285
00:17:57.020 --> 00:18:01.080
so kann man das Zusammenwirken von staatlichen
Institutionen,

286
00:18:01.080 --> 00:18:05.080
von ökonomischen Verhältnissen, von diesen
beiden, also von Institutionen,

287
00:18:05.080 --> 00:18:08.080
ökonomischen Verhältnissen und auch Ideologien

288
00:18:09.080 --> 00:18:11.080
deutlich besser erforschen, als

289
00:18:12.080 --> 00:18:17.080
ohne den Intersektionalitätsbegriff.

290
00:18:18.080 --> 00:18:20.080
Und wo besteht Klärungsbedarf?

291
00:18:20.080 --> 00:18:23.080
Die Felder sind unglaublich zahlreich.

292
00:18:25.080 --> 00:18:28.080
Ich beschränke mich auf die Forschung.

293
00:18:28.080 --> 00:18:31.080
Ich arbeite sehr stark Metapherntheoretisch

294
00:18:31.080 --> 00:18:36.080
und mit historischen Semantiken und Begriffsgeschichte.

295
00:18:36.080 --> 00:18:38.080
Und wenn man, wenn man sich da überlegt,

296
00:18:39.080 --> 00:18:42.080
was es bedeutet, über Arbeiterliteratur zu
sprechen

297
00:18:43.080 --> 00:18:45.080
und dabei zum Beispiel

298
00:18:47.080 --> 00:18:50.080
solche Faktoren wie

299
00:18:51.080 --> 00:18:53.080
ethnische Herkunft oder

300
00:18:54.080 --> 00:18:57.080
Geschlechterfragen außen vor zu lassen,

301
00:18:58.080 --> 00:19:00.040
dann muss man leider sagen, dass die

302
00:19:01.040 --> 00:19:04.040
literatur- und kulturwissenschaftliche Forschung

303
00:19:04.040 --> 00:19:08.040
über Arbeitswelten ja sehr, sehr, sehr, sehr
lange, sehr stark

304
00:19:09.040 --> 00:19:12.040
eine männerdominierte Forschung war im Sinne
von,

305
00:19:13.040 --> 00:19:17.040
also, also in dem Sinn, wie Texte und wessen
Texte wahrgenommen werden.

306
00:19:18.040 --> 00:19:21.040
Wenn wir von wenn wir nur Arbeiterliteratur

307
00:19:21.040 --> 00:19:24.040
sagen, dann sind die Frauen nicht dabei.

308
00:19:24.040 --> 00:19:27.040
Wenn wir Arbeiterliteratur sagen, dann sind
die sogenannten

309
00:19:27.040 --> 00:19:31.040
Gastarbeiter*innen nicht dabei, die die

310
00:19:31.040 --> 00:19:34.040
unglaublich große Mengen und wichtige

311
00:19:35.040 --> 00:19:38.040
Texte zu Arbeitswelten

312
00:19:38.040 --> 00:19:41.040
im deutschsprachigen Raum geschrieben haben.

313
00:19:41.040 --> 00:19:43.040
Insofern ist auch da

314
00:19:46.040 --> 00:19:48.040
aus dieser Perspektive

315
00:19:48.040 --> 00:19:52.040
unglaublich viel zu tun.

316
00:19:52.040 --> 00:19:52.040
Iuditha, Vielen Dank!

317
00:19:52.040 --> 00:19:57.040
Ich würde jetzt fast reflexartig Anschlussfragen
stellen wollen,

318
00:19:57.040 --> 00:20:01.000
aber so ist es nicht vorgesehen, auch wenn
es viele Möglichkeiten dazu gäbe.

319
00:20:01.000 --> 00:20:03.000
Aber dazu wird ja noch Gelegenheit bestehen.

320
00:20:03.000 --> 00:20:06.000
Ich darf daher einfach weitergeben an Dich.

321
00:20:07.000 --> 00:20:07.000
Vielen Dank!

322
00:20:07.000 --> 00:20:08.000
Vielen Dank!

323
00:20:08.000 --> 00:20:12.000
Erst einmal noch mal für die Einladung, für
die freundliche Begrüßung

324
00:20:12.000 --> 00:20:13.000
und die freundliche Vorstellung.

325
00:20:13.000 --> 00:20:15.000
Ich freue mich sehr, dass ich heute hier sein
darf

326
00:20:15.000 --> 00:20:18.000
und dass wir miteinander ins Gespräch kommen
können.

327
00:20:19.000 --> 00:20:23.000
Ja, ich könnte mich eigentlich all dem anschließen,
was Iuditha da gesagt hat.

328
00:20:23.000 --> 00:20:24.000
Wir haben vorhin schon gewitzelt, dann

329
00:20:24.000 --> 00:20:26.000
bleibt für mich gar nichts mehr zu sagen übrig.

330
00:20:26.000 --> 00:20:28.000
Ich versuche jetzt trotzdem, mein Eingangsstatement

331
00:20:28.000 --> 00:20:32.000
ein wenig anders zu lagern.

332
00:20:32.000 --> 00:20:36.000
Was vielleicht auffällt, ist, dass wir überhaupt
erst mal klären

333
00:20:36.000 --> 00:20:39.000
müssten, was wir unter Intersektionalität
denn überhaupt verstehen.

334
00:20:39.000 --> 00:20:43.000
Und diese Frage ist alles andere als trivial,
denke ich.

335
00:20:44.000 --> 00:20:47.000
Für mich besteht das Spannende in der Auseinandersetzung

336
00:20:47.000 --> 00:20:50.000
mit Intersektionalität als Literaturwissenschaftlerin
darin,

337
00:20:51.000 --> 00:20:53.000
dass über dieses Forschungsparadigma

338
00:20:53.000 --> 00:20:58.000
sich politische Fragestellungen mit soziologischen

339
00:20:58.000 --> 00:21:02.060
und mit literatur-theoretischen und auch literatur-soziologischen

340
00:21:02.060 --> 00:21:04.060
Fragestellungen überschneiden.

341
00:21:05.060 --> 00:21:07.060
Wenn man aus der sozialwissenschaftlichen Forschung

342
00:21:07.060 --> 00:21:12.060
und aus der Vorbereitung Theoretisierung des
Konzepts der Intersektionalität

343
00:21:12.060 --> 00:21:15.060
erst mal draufschaut, könnte man vielleicht
in so einer

344
00:21:16.060 --> 00:21:19.060
einfachen Arbeitsdefinition sagen: Als Intersektionalität

345
00:21:19.060 --> 00:21:22.060
würde ich so etwas fassen wie die wechselseitige
Durchdringung

346
00:21:22.060 --> 00:21:26.060
von Kategorien sozialer Ungleichheit, die insbesondere
auch

347
00:21:26.060 --> 00:21:33.060
die Frage nach ihrer Interdependenz zu berücksichtigen
hat.

348
00:21:33.060 --> 00:21:36.060
Als Literaturwissenschaftlerin dann stellt
sich jedoch die Frage,

349
00:21:36.060 --> 00:21:41.060
wie denn solche soziologischen Kategorien,
die in der Introspektion der Forschung

350
00:21:41.060 --> 00:21:45.060
eine Rolle spielen, wie etwa Ordnung, Struktur

351
00:21:46.060 --> 00:21:48.060
und Ähnliches, vor allen Dingen auch der Begriff
der Kategorie

352
00:21:48.060 --> 00:21:52.060
selber in literarischen Texten in den Blick
zu nehmen wären.

353
00:21:53.060 --> 00:21:56.060
Und dort, finde ich, liegt genau die spannende
Herausforderung,

354
00:21:56.060 --> 00:22:00.020
Herausforderung für uns zu überlegen: Wie
geht das eigentlich

355
00:22:00.020 --> 00:22:05.020
für uns als Literaturwissenschaftlerin und
in meiner Forschung und Lehre.

356
00:22:06.020 --> 00:22:08.020
Zu diesem Konzept der Intersektionalität habe
ich die Erfahrung gemacht,

357
00:22:08.020 --> 00:22:11.020
dass es dort dann immer ganz wichtig ist,

358
00:22:11.020 --> 00:22:14.020
diesen Begriff nicht nur als Schlagwort zu
verwenden,

359
00:22:14.020 --> 00:22:18.020
sondern auch dessen theoretische Herkunft zu
problematisieren

360
00:22:18.020 --> 00:22:19.020
und auch die offenen Fragen,

361
00:22:19.020 --> 00:22:23.020
die damit verbunden sind, tatsächlich zu thematisieren,

362
00:22:23.020 --> 00:22:27.020
um dann diesen Übergang zu schaffen von der
Auseinandersetzung

363
00:22:27.020 --> 00:22:30.020
mit gesellschaftlicher Intersektionalität
hin zu einer Auseinandersetzung

364
00:22:30.020 --> 00:22:33.020
mit literarischen Texten oder anderen Artefakten.

365
00:22:33.020 --> 00:22:37.020
Um auch die grundlegenden Unterschiede sozialwissenschaftlicher
Forschung

366
00:22:37.020 --> 00:22:39.020
zu Intersektionalität einerseits

367
00:22:39.020 --> 00:22:43.020
und literaturwissenschaftlich Erforschen zu
Intersektionalität andererseits

368
00:22:43.020 --> 00:22:47.020
und ihre jeweiligen Potenziale in den Blick
zu nehmen,

369
00:22:48.020 --> 00:22:49.020
in der Betrachtung

370
00:22:49.020 --> 00:22:53.020
literarischer Texte scheint es mir dann ganz
wichtig zu sein,

371
00:22:53.020 --> 00:22:58.020
Intersektionalität nicht nur festzumachen
in der Erscheinungsweise oder Konzeption

372
00:22:59.020 --> 00:23:03.080
einzelner Figuren, sondern hier tatsächlich
narrative, logische Ansätze

373
00:23:03.080 --> 00:23:07.080
mit in die Auseinandersetzung mit Intersektionalität
hineinzutragen

374
00:23:07.080 --> 00:23:10.080
und etwa erzähltheoretische Ansätze.

375
00:23:10.080 --> 00:23:12.080
Man könnte da zum Beispiel an

376
00:23:12.080 --> 00:23:13.080
erzähltheoretische Ansätze,

377
00:23:13.080 --> 00:23:13.080
die sich mit

378
00:23:13.080 --> 00:23:17.080
Raumverhältnissen literarischer Texte auseinandersetzen,
zu kombinieren

379
00:23:17.080 --> 00:23:19.080
mit der Frage nach Intersektionalität.

380
00:23:20.080 --> 00:23:24.080
Also was wir herausfinden, wenn wir uns mit
Texten beschäftigen, ist

381
00:23:25.080 --> 00:23:29.080
unter anderem, wie eigentlich so etwas wie
soziale Differenz,

382
00:23:29.080 --> 00:23:33.080
Kategorien hervorgebracht werden durch das
Erzählen selber.

383
00:23:33.080 --> 00:23:37.080
Und ich glaube, dort liegt auch ein großes
Potenzial

384
00:23:37.080 --> 00:23:40.080
der literaturwissenschaftlichen Intersektionalitätsforschung,
nämlich

385
00:23:40.080 --> 00:23:43.080
letztlich in einem transdisziplinären Transfer
auch wieder zurück

386
00:23:44.080 --> 00:23:48.080
hin zu politischen und soziologischen Fragestellungen,

387
00:23:48.080 --> 00:23:49.080
nämlich dort,

388
00:23:49.080 --> 00:23:50.080
wo es darum geht Ja,

389
00:23:50.080 --> 00:23:52.080
wie werden denn eigentlich diese Differenzen,
Kategorien

390
00:23:52.080 --> 00:23:56.080
und ihre Verschränkung untereinander auch
in unserer Lebensrealität hervorgebracht?

391
00:23:56.080 --> 00:24:00.040
Und ich glaube, dass es so etwas wie Imagination,
Fiktion

392
00:24:00.040 --> 00:24:04.040
und Erzählen ganz, ganz wichtig und da würde
ich es denken, liegt unser Beitrag

393
00:24:04.040 --> 00:24:08.040
allerdings, wenn wir jetzt fragen Was ist denn
noch zu tun?

394
00:24:08.040 --> 00:24:11.040
Welche offenen Fragen sind noch zu thematisieren?

395
00:24:11.040 --> 00:24:14.040
Da würde ich sagen, also die Auseinandersetzung

396
00:24:14.040 --> 00:24:16.040
in erzähltheoretischer Hinsicht mit Intersektionalität,

397
00:24:16.040 --> 00:24:20.040
das habe ich auch vorhin schon angedeutet,
da ist noch sehr, sehr viel zu tun.

398
00:24:20.040 --> 00:24:24.040
Also wie finden wir eigentlich Intersektionalität
in einem literarischen

399
00:24:24.040 --> 00:24:25.040
Text?

400
00:24:25.040 --> 00:24:27.040
Was erbringt die Auseinandersetzung mit literarischen
Texten?

401
00:24:27.040 --> 00:24:31.040
Was vielleicht eine empirische soziologische
Forschung

402
00:24:31.040 --> 00:24:33.040
nicht ohne Weiteres sehen kann?

403
00:24:33.040 --> 00:24:34.040
Also bestimmte Dynamiken

404
00:24:34.040 --> 00:24:39.040
und auch die Veränderlichkeit von Intersektionalität
Differenzverhältnissen,

405
00:24:39.040 --> 00:24:42.040
das scheint mir hier ganz wichtig und auch
ein,

406
00:24:43.040 --> 00:24:45.040
na ja, ein großes Potenzial zu sein.

407
00:24:46.040 --> 00:24:48.040
Ja, vielen Dank!

408
00:24:48.040 --> 00:24:52.040
Einen Aufsatz den du vorgelegt hast, in dem
es ja geht um diese Kombination

409
00:24:52.040 --> 00:24:55.040
intersektionaler Forschung im soziologischen
Kontext und dann

410
00:24:55.040 --> 00:24:57.040
nach naratologische Fragestellungen

411
00:24:57.040 --> 00:25:00.000
habe ich mit einigen Anwesenden unlängst im
Seminar diskutiert.

412
00:25:00.000 --> 00:25:02.000
Trotzdem

413
00:25:02.000 --> 00:25:05.000
stelle ich jetzt auch dazu keine Fragen, sondern
leite wiederum

414
00:25:05.000 --> 00:25:09.000
weiter an die, die mit ihrem Statement dran
war.

415
00:25:09.000 --> 00:25:11.000
Ja, vielen Dank.

416
00:25:11.000 --> 00:25:13.000
Also auch von mir erst noch mal vielen Dank

417
00:25:13.000 --> 00:25:16.000
für die Einladung hier nach Paderborn und
die Einladung

418
00:25:17.000 --> 00:25:19.000
hier über Intersektionalität zu sprechen,

419
00:25:19.000 --> 00:25:23.000
was auch großartig ist. Auch

420
00:25:24.000 --> 00:25:27.000
ich glaube, ich würde jetzt

421
00:25:27.000 --> 00:25:30.000
hier eine spezifische Perspektive noch mal
reinbringen.

422
00:25:30.000 --> 00:25:34.000
Ganz in Ergänzung zu dem, was hier auch

423
00:25:34.000 --> 00:25:37.000
die Vorrednerinnen schon angedeutet haben.

424
00:25:38.000 --> 00:25:41.000
Ich würde erst noch mal sagen, was für mich
eigentlich dieses

425
00:25:42.000 --> 00:25:45.000
Konzept Intersektionalität produktiv macht,
spannend macht,

426
00:25:46.000 --> 00:25:50.000
weshalb es für mich interessant war und ich
versucht habe, damit zu arbeiten,

427
00:25:50.000 --> 00:25:55.000
ist glaube ich grundsätzlich erst mal eine
gute Perspektive für eine

428
00:25:56.000 --> 00:25:58.000
Literaturwissenschaft und

429
00:25:58.000 --> 00:26:01.060
sozialwissenschaftliche Perspektiven ins Gespräch
zu bringen.

430
00:26:01.060 --> 00:26:05.060
Da, finde ich, besteht jetzt erst mal die ganz
große,

431
00:26:05.060 --> 00:26:08.060
der ganz große Reiz für mich und die Attraktivität.

432
00:26:09.060 --> 00:26:12.060
Zugleich glaube ich, dass genau da auch das

433
00:26:12.060 --> 00:26:15.060
Problem ist und ich oder ich finde es noch
nicht.

434
00:26:15.060 --> 00:26:20.060
Da ist die Herausforderung, das gut zu vermitteln
und auch die Frage

435
00:26:20.060 --> 00:26:24.060
Was ist, was leistet eigentlich die Literaturwissenschaft
da?

436
00:26:25.060 --> 00:26:27.060
Und das, glaube ich, lohnt es sich, weiter

437
00:26:28.060 --> 00:26:31.060
zu perspektivieren.

438
00:26:31.060 --> 00:26:34.060
Für mich ist insofern, glaube ich, eine spezifische
Frage,

439
00:26:34.060 --> 00:26:37.060
als mein Blick auf die

440
00:26:38.060 --> 00:26:40.060
auf Intersektionalität

441
00:26:40.060 --> 00:26:43.060
aus einem anderen theoretischen Rahmen noch
mal kommt.

442
00:26:43.060 --> 00:26:46.060
Also mein Zugang war in den letzten Jahren
einer,

443
00:26:47.060 --> 00:26:50.060
der durch die literaturwissenschaftlichen Disability
Studies

444
00:26:50.060 --> 00:26:53.060
geprägt war, und das heißt

445
00:26:53.060 --> 00:26:56.060
auf einem Zugang, der

446
00:26:56.060 --> 00:26:57.060
sich mit sozusagen

447
00:26:57.060 --> 00:27:02.020
literarischen Repräsentationen von Behinderung
vielleicht beschäftigt.

448
00:27:02.020 --> 00:27:04.020
Und da wird sozusagen

449
00:27:05.020 --> 00:27:07.020
dieser Austausch von

450
00:27:07.020 --> 00:27:10.020
Sozialwissenschaften und Literaturwissenschaften

451
00:27:10.020 --> 00:27:14.020
noch mal sozusagen verschärft, auch als

452
00:27:14.020 --> 00:27:17.020
vielleicht auch in den Differenzen,

453
00:27:18.020 --> 00:27:21.020
also weil man da direkt schon mal an einer

454
00:27:22.020 --> 00:27:26.020
zentralen Debatte ist, eigentlich der Intersektionalitätstheorie,

455
00:27:26.020 --> 00:27:31.020
also auch der sozialwissenschaftlichen, weil
es darum geht, sozusagen die,

456
00:27:32.020 --> 00:27:37.020
also diese klassische Trias race, class gender
aufzubrechen und zu erweitern.

457
00:27:37.020 --> 00:27:42.020
Das ist ein Kernproblem eigentlich, eine Kerndebatte

458
00:27:42.020 --> 00:27:46.020
der intersektionalitätstheorie zu fragen welche
Kategorien gehören da eigentlich

459
00:27:46.020 --> 00:27:51.020
noch rein, wie kann man das erweitern und welche
Kategorien sind unabdingbar?

460
00:27:51.020 --> 00:27:53.020
Und da gibt es verschiedene Vorschläge

461
00:27:54.020 --> 00:27:58.020
und es gibt auch eine kritische Perspektive
auf eine beliebige Erweiterung

462
00:27:58.020 --> 00:28:01.080
von Differenz oder Kategorien.

463
00:28:02.080 --> 00:28:06.080
Und dieses Problem, glaube ich, stellt sich
dann nochmal,

464
00:28:06.080 --> 00:28:11.080
wenn man das sozusagen genau für die Frage
literaturwissenschaftlicher

465
00:28:11.080 --> 00:28:14.080
Analysen klären möchte.

466
00:28:14.080 --> 00:28:17.080
Dann wäre ja die Frage sozusagen, wie

467
00:28:19.080 --> 00:28:23.080
sind Texte intersektional gestaltet?

468
00:28:23.080 --> 00:28:24.080
Oder wie taucht

469
00:28:24.080 --> 00:28:29.080
Intersektionalität in Texten auf und wie kann
man das analytisch erfassen?

470
00:28:29.080 --> 00:28:34.080
Das wäre dann jetzt sozusagen eine sehr konkrete
textanalytische Frage.

471
00:28:35.080 --> 00:28:37.080
Insofern ist, glaube ich, auch der Vorschlag,

472
00:28:37.080 --> 00:28:41.080
den Eva Blome gerade gemacht hat, da würde
genau in diese Richtung gehen.

473
00:28:41.080 --> 00:28:45.080
Mich hat interessiert tatsächlich, dass eigentlich

474
00:28:45.080 --> 00:28:53.080
die Konstruktion von Figuren, in denen ich
also sozusagen eine sehr,

475
00:28:53.080 --> 00:28:58.080
sehr spezifische Perspektive habe, nicht

476
00:28:58.080 --> 00:29:03.040
das wäre, das wäre das Konzept.

477
00:29:03.040 --> 00:29:07.040
Wir haben literarische Figurationen eigentlich
von Intersektionalität

478
00:29:07.040 --> 00:29:11.040
in Form solcher “Freakgestalten”, mit denen
ich mich beschäftigt habe.

479
00:29:11.040 --> 00:29:15.040
Die sind dann auch nicht mehr bei Erzähltexten
in erster Linie,

480
00:29:15.040 --> 00:29:19.040
sondern sozusagen bei dramatischen Texten.

481
00:29:19.040 --> 00:29:22.040
Und das wäre sozusagen dann auch noch mal
eine Gattungsfrage.

482
00:29:22.040 --> 00:29:27.040
Diese Figuren haben mich interessiert als Figuren,
die in denen sozusagen

483
00:29:27.040 --> 00:29:32.040
Interdependenz verschiedener Differenzkategorien
eine Rolle spielt,

484
00:29:32.040 --> 00:29:38.040
historische Repräsentationen auch von Differenzen,
die meines Erachtens

485
00:29:39.040 --> 00:29:42.040
durch ihre Ambiguität eine

486
00:29:42.040 --> 00:29:49.040
besondere Spannung erzeugen, die eben auch
Texte subversiv lesbar macht.

487
00:29:49.040 --> 00:29:50.040
Das finde ich interessant daran.

488
00:29:50.040 --> 00:29:53.040
Das ist aber ein sehr spezifischer Ansatz.

489
00:29:55.040 --> 00:29:57.040
Ja, ganz herzlichen Dank.

490
00:29:57.040 --> 00:29:58.040
Danke.

491
00:29:59.040 --> 00:30:01.000
Ja, einen schönen guten Abend auch von meiner
Seite.

492
00:30:01.000 --> 00:30:03.000
Ich bin jetzt der Letzte, der zwischen Ihnen

493
00:30:03.000 --> 00:30:06.000
und der dynamischen Diskussion über dieses
spannende Thema steht.

494
00:30:07.000 --> 00:30:10.000
Und zudem wahrscheinlich einer derjenigen auf
dem Podium,

495
00:30:10.000 --> 00:30:14.000
die am wenigsten im engeren Sinne zu Intersektionalität
forschen.

496
00:30:14.000 --> 00:30:18.000
Aber ich kann eine andere disziplinäre Perspektive
entwickeln und aus der Sicht

497
00:30:18.000 --> 00:30:24.000
der Literaturdidaktik vielleicht einige Beobachtungen
beisteuern,

498
00:30:24.000 --> 00:30:27.000
die um die Ankunft dieses Konzepts

499
00:30:27.000 --> 00:30:31.000
der Intersektionalität in der Literaturdidaktik
kreisen.

500
00:30:31.000 --> 00:30:36.000
Die Literaturdidaktik steht ja zwischen sehr
vielen unterschiedlichen Disziplinen.

501
00:30:36.000 --> 00:30:40.000
Sie beschäftigt sich mit der Vermittlung von
literarischen Texten

502
00:30:40.000 --> 00:30:44.000
und anderen Medien in unterschiedlichen Vermittlungskontexten,
vor allen Dingen

503
00:30:44.000 --> 00:30:47.000
im schulischen Unterricht, aber nicht nur unterhält

504
00:30:48.000 --> 00:30:51.000
eine komplexe Beziehung zur Literaturwissenschaft,

505
00:30:51.000 --> 00:30:54.000
aber auch zu anderen Disziplinen wie der Erziehungswissenschaft
und der

506
00:30:55.000 --> 00:30:56.000
Psychologie.

507
00:30:56.000 --> 00:31:01.060
Und meinem Eindruck nach verschiebt dieser
Begriff der Intersektionalität,

508
00:31:01.060 --> 00:31:04.060
den ich mal ganz lose als Beschreibung

509
00:31:04.060 --> 00:31:08.060
des Zusammenspiels von unterschiedlichen Differenzkategorien

510
00:31:11.060 --> 00:31:13.060
beschreibe, verschiebt so ein bisschen die
Ökonomie

511
00:31:13.060 --> 00:31:14.060
der Aufmerksamkeit

512
00:31:14.060 --> 00:31:16.060
in der Literaturdidaktik mich wieder hin

513
00:31:16.060 --> 00:31:18.060
zu den Gegenständen des literarischen Lernens.

514
00:31:18.060 --> 00:31:19.060
Und das ist natürlich erst mal

515
00:31:19.060 --> 00:31:22.060
aus meiner Sicht zumindest eine wunderbare
Sache,

516
00:31:22.060 --> 00:31:26.060
denn die Literaturdidaktik hat sich vollkommen
zu Recht in den letzten Jahren

517
00:31:26.060 --> 00:31:28.060
sehr stark mit

518
00:31:28.060 --> 00:31:30.060
Prozessen und Ergebnissen

519
00:31:30.060 --> 00:31:33.060
des Kompetenzerwerbs von Schülerinnen und
Schülern beschäftigt.

520
00:31:33.060 --> 00:31:35.060
Und meiner Meinung nach sind die Gegenstände
da

521
00:31:35.060 --> 00:31:37.060
so ein bisschen aus dem Blick geraten.

522
00:31:37.060 --> 00:31:42.060
Nun blickt man wieder sehr stark auf die Verhandlung
von gesellschaftsrelevanten

523
00:31:42.060 --> 00:31:45.060
Themen in literarischen Texten und da spielt
sich unter dem

524
00:31:46.060 --> 00:31:49.060
Begriff Schirm der Intersektionalität natürlich
sehr viel

525
00:31:49.060 --> 00:31:53.060
ab, was in der Literaturdidaktik ohnehin schon
eine Rolle gespielt hat.

526
00:31:53.060 --> 00:31:57.060
Wir haben uns sehr intensiv mit Inklusion,
mit Diversität, mit Gender beschäftigt

527
00:31:57.060 --> 00:32:03.020
und die Intersektionalität betont die Zusammenhänge
zwischen diesen Aspekten

528
00:32:03.020 --> 00:32:07.020
und legt das Schlaglicht der Aufmerksamkeit
meiner Ansicht

529
00:32:07.020 --> 00:32:10.020
nach noch mal sehr stark auf diesen Aspekt
und verändert dadurch

530
00:32:10.020 --> 00:32:14.020
aber auch so ein bisschen das Verständnis
von Literatur,

531
00:32:14.020 --> 00:32:18.020
das in der Literaturdidaktik ja lange Zeit
in historisch

532
00:32:18.020 --> 00:32:21.020
fundierte Bildungskonzepte eingelassen war.

533
00:32:22.020 --> 00:32:25.020
Literarische Texte und die Rezeption sind sehr,

534
00:32:25.020 --> 00:32:28.020
hoffe ich, noch auf das Einführen von Autonomie.

535
00:32:28.020 --> 00:32:30.020
Ästhetische Konzepte und

536
00:32:31.020 --> 00:32:33.020
die Intersektionalität verschaltet

537
00:32:34.020 --> 00:32:38.020
die Reflexion, den Umgang und die Vermittlung
von literarischen Texten

538
00:32:38.020 --> 00:32:42.020
wieder viel stärker mit gesellschaftlicher
Wirklichkeit.

539
00:32:42.020 --> 00:32:45.020
Also ich glaube, da wird ein wichtiger blinder
Fleck

540
00:32:46.020 --> 00:32:49.020
der literaturdidaktischen Umgangsweise mit
literarischen Texten

541
00:32:49.020 --> 00:32:50.020
und Medien identifiziert.

542
00:32:50.020 --> 00:32:53.020
Zugleich, und das finde ich nun besonders spannend,

543
00:32:53.020 --> 00:32:57.020
scheinen mir, da aber auch neue blinde Flecken
aufzutreten.

544
00:32:57.020 --> 00:33:00.080
Denn die Frage, die mich sehr intensiv beschäftigt,
ist

545
00:33:00.080 --> 00:33:04.080
Wie kommen wir denn eigentlich zu solchen Konzepten
in der Literaturdidaktik?

546
00:33:04.080 --> 00:33:08.080
Also die Intersektionalität ist kein Begriff,
der genuin aus unserer Disziplin

547
00:33:08.080 --> 00:33:11.080
stammt, auch nicht aus der Literaturwissenschaft,
sondern auch so

548
00:33:12.080 --> 00:33:17.080
travelling concepts Theorietransfers aus anderen
Begriffen.

549
00:33:17.080 --> 00:33:19.080
Und ich habe den Eindruck, dass es sich lohnt,

550
00:33:19.080 --> 00:33:22.080
über solche Aneignungen, Prozesse von Konzepten
und Kategorien

551
00:33:23.080 --> 00:33:25.080
verstärkt nachzudenken.

552
00:33:26.080 --> 00:33:28.080
Denn auch da gibt es natürlich intersektionale
Momente

553
00:33:28.080 --> 00:33:30.080
in der Aneignung von Texten.

554
00:33:30.080 --> 00:33:32.080
Und vielleicht kann ich das mit ganz wenigen
Beispielen

555
00:33:32.080 --> 00:33:36.080
mal untersetzen, die ich in diesem Zusammenhang
interessant finde.

556
00:33:36.080 --> 00:33:39.080
Und wir hatten eingangs schon ein schönes
Beispiel.

557
00:33:39.080 --> 00:33:44.080
Wir haben einen exemplarischen Text diskutiert,
an dem wir verstehen wollten,

558
00:33:44.080 --> 00:33:46.080
was kann eine intersektionale Perspektive leisten?

559
00:33:47.080 --> 00:33:47.080
Ich würde sagen,

560
00:33:47.080 --> 00:33:52.080
das war ein ganz klassischer, kanonischer Text
der Höhenkamp Literatur.

561
00:33:52.080 --> 00:33:56.080
Und wenn ich mir die Forschung zur Intersektionalität

562
00:33:56.080 --> 00:33:59.080
am Schnittpunkt von Literaturwissenschaft und
Literaturdidaktik anschaue,

563
00:34:00.040 --> 00:34:04.040
habe ich ein bisschen den Eindruck, dass wir
schon auch die Tendenz haben,

564
00:34:05.040 --> 00:34:06.040
da Kanones

565
00:34:06.040 --> 00:34:09.040
fortzuschreiben oder vielleicht auch neue Kanones
zu bilden.

566
00:34:09.040 --> 00:34:14.040
Das ist natürlich ein interessanter Machteffekt,
der aus so einer Perspektive

567
00:34:14.040 --> 00:34:18.040
resultiert, die ja vor allen Dingen kritisch
mit Macht umgehen soll.

568
00:34:18.040 --> 00:34:22.040
Aber das scheint mir disziplintheoretisch einfach
interessant zu sein.

569
00:34:23.040 --> 00:34:26.040
Dann finde ich spannend zu überlegen

570
00:34:26.040 --> 00:34:29.040
Was passiert denn eigentlich mit dem Begriff
von Literatur

571
00:34:29.040 --> 00:34:31.040
und vor allem auch mit den Zielen literarischer
Bildung?

572
00:34:31.040 --> 00:34:36.040
Wenn wir über Intersektionalität nachdenken
und das Ziel von

573
00:34:36.040 --> 00:34:41.040
einem international sensiblen Literaturunterricht

574
00:34:41.040 --> 00:34:44.040
oder einer international sensiblen literaturdidaktischen
Forschung

575
00:34:44.040 --> 00:34:48.040
sicher nicht nur darauf beschränkt, Phänomene
zu entdecken, zu beschreiben,

576
00:34:48.040 --> 00:34:49.040
zu untersuchen,

577
00:34:49.040 --> 00:34:53.040
sondern in der Vermittlung natürlich auch
Veränderungen zu bewirken.

578
00:34:53.040 --> 00:34:55.040
Also zielt das ab auf eine

579
00:34:55.040 --> 00:35:00.000
so eine Art Intersektionalitätskompetenz Was
könnte das eigentlich sein?

580
00:35:00.000 --> 00:35:03.000
Und wie verhält sich das zu unseren Vorstellungen,
die wir

581
00:35:04.000 --> 00:35:07.000
mit literarischer Bildung verknüpfen?

582
00:35:08.000 --> 00:35:11.000
Als jemand, der sich sehr intensiv mit Kinder-
und Jugendliteratur

583
00:35:11.000 --> 00:35:15.000
beschäftigt, habe ich natürlich auch, wie
Sie sicherlich alle registriert,

584
00:35:15.000 --> 00:35:20.000
dass natürlich auch der Buchmarkt sehr stark
auf solche Themen reagiert.

585
00:35:20.000 --> 00:35:23.000
Also in den 70er und 80er und 90er Jahren

586
00:35:24.000 --> 00:35:27.000
gab es sehr kritische Perspektiven auf sogenannte
problemorientiert

587
00:35:27.000 --> 00:35:32.000
Kinder- und Jugendliteratur, in der so ganz
spezifische, gesellschaftlich

588
00:35:32.000 --> 00:35:34.000
relevante Themen in den Vordergrund gestellt
worden

589
00:35:34.000 --> 00:35:38.000
und die ästhetische Qualität und Komplexität
von Texten

590
00:35:38.000 --> 00:35:39.000
zurückgedrängt wurde.

591
00:35:39.000 --> 00:35:42.000
Denn es war ja wichtig, dass auch jeder verstanden

592
00:35:42.000 --> 00:35:44.000
hat: Wo liegt denn nun das Problem dieses Textes

593
00:35:44.000 --> 00:35:47.000
und wie kann das in literarischen Texten verhandelte
Problemen

594
00:35:48.000 --> 00:35:52.000
denn Wirklichkeit positiv verändern?

595
00:35:52.000 --> 00:35:54.000
Manchmal habe ich so ein bisschen den Eindruck,

596
00:35:54.000 --> 00:35:59.000
wir steuern wieder in so eine Phase zu, wo
mit Blick auf

597
00:35:59.000 --> 00:36:03.060
intersektionale Phänomene auch wieder problemorientiert
geschrieben wird.

598
00:36:03.060 --> 00:36:05.060
Ich bin mir gar nicht sicher, ob das gut oder
schlecht ist.

599
00:36:05.060 --> 00:36:08.060
Das hängt sehr stark damit zusammen, was wir
vom Umgang

600
00:36:08.060 --> 00:36:10.060
mit literarischen Texten eigentlich erwarten.

601
00:36:10.060 --> 00:36:15.060
Und das wäre für mich so eine typisch offene
Frage, über die man

602
00:36:15.060 --> 00:36:17.060
sprechen müsste.

603
00:36:17.060 --> 00:36:20.060
Und vielleicht als letzten Punkt noch und da
hat die Literaturdidaktik

604
00:36:21.060 --> 00:36:24.060
vielleicht besondere Probleme oder auch Vorzüge
oder Herausforderungen.

605
00:36:24.060 --> 00:36:27.060
Denn uns geht es ja tatsächlich nicht nur
um die Beschreibung

606
00:36:27.060 --> 00:36:32.060
und Analyse von Textphänomenen, sondern wir
haben Vermittlungskontexte im Blick.

607
00:36:32.060 --> 00:36:36.060
Und da tritt zu den Texten etwas ganz wichtiges
hinzu, nämlich Menschen.

608
00:36:37.060 --> 00:36:41.060
Schüler*innen, Lehrpersonen, Lehrkräfte.

609
00:36:41.060 --> 00:36:43.060
Also Intersektionalität ist für uns nicht
nur

610
00:36:44.060 --> 00:36:48.060
eine Repräsentation von gesellschaftlicher
Wirklichkeit,

611
00:36:48.060 --> 00:36:51.060
in welcher Art auch immer in Texten und Medien,
sondern sie

612
00:36:51.060 --> 00:36:54.060
ist auch immer verschaltet mit ganz spezifischen
Situationen

613
00:36:54.060 --> 00:36:57.060
der Kommunikation über Texte und der Vermittlung.

614
00:36:59.060 --> 00:37:00.020
Ja, ganz herzlichen Dank.

615
00:37:00.020 --> 00:37:04.020
Es gibt sicher sehr viele Anknüpfungspunkte
an

616
00:37:04.020 --> 00:37:07.020
alle vier Statements und die erste Anknüpfung

617
00:37:08.020 --> 00:37:10.020
versucht Magdalena genau.

618
00:37:11.020 --> 00:37:14.020
Ja, vielen Dank für ihre

619
00:37:14.020 --> 00:37:17.020
unglaublich reichen Eingangsstatement.

620
00:37:17.020 --> 00:37:17.020
Hier schon.

621
00:37:17.020 --> 00:37:21.020
Ich habe auch schon ordentlich mitgeschrieben
und umkringelt.

622
00:37:21.020 --> 00:37:24.020
Wir haben viele Anknüpfungspunkte und

623
00:37:24.020 --> 00:37:26.020
im Vorfeld habe ich ein bisschen auch gefragt

624
00:37:26.020 --> 00:37:28.020
Wiederholen wir zu sehr, wenn wir jetzt noch
mal

625
00:37:28.020 --> 00:37:32.020
also was wir jetzt machen, wenn wir einzelne
Aspekte noch mal

626
00:37:32.020 --> 00:37:34.020
aufgreifen, die jetzt schon hier gefallen sind

627
00:37:36.020 --> 00:37:37.020
und versuchen,

628
00:37:37.020 --> 00:37:40.020
das wäre übrigens mein Wunsch, das zu vertiefen.

629
00:37:40.020 --> 00:37:45.020
Und was jetzt angeklungen ist, durchaus ist,
das viel Potenzial gesehen wird.

630
00:37:46.020 --> 00:37:48.020
Ich habe auch gehört, dass viele Herausforderungen

631
00:37:48.020 --> 00:37:51.020
oder auch Gefahren gesehen werden darin, aber
vielleicht mal noch mal den Fokus

632
00:37:52.020 --> 00:37:53.020
auf das,

633
00:37:53.020 --> 00:37:57.020
was bringt grundlegend Neues, dieses Intersektionalitätsparadigma

634
00:37:57.020 --> 00:37:59.020
vor dem Hintergrund, dass wir einfach viele

635
00:38:00.080 --> 00:38:01.080
literaturtheoretische

636
00:38:01.080 --> 00:38:05.080
Perspektiven auf den Gegenstand haben und auch
in der Didaktik uns mit einigen.

637
00:38:05.080 --> 00:38:07.080
Also, wir haben da auch einen gewissen Reichtum

638
00:38:07.080 --> 00:38:10.080
an Vielfalt, an Didaktik, die sich so in den
letzten Jahren entwickelt haben,

639
00:38:11.080 --> 00:38:14.080
eine geschlechterspezifische, eine inklusive,

640
00:38:14.080 --> 00:38:17.080
eine postkoloniale usw.

641
00:38:17.080 --> 00:38:20.080
Also was bringt da wirklich Intersektionalität
noch mal an Neuem?

642
00:38:21.080 --> 00:38:24.080
Auf diesen Diversity Begriff würde ich gern
später auch noch mal eingehen.

643
00:38:24.080 --> 00:38:27.080
Das finde ich auch aus didaktischer Perspektive
interessant.

644
00:38:27.080 --> 00:38:31.080
Und vielleicht, um so einen provokanten Gegenbegriff

645
00:38:31.080 --> 00:38:34.080
noch mal zu setzen Ist es vielleicht auch ein
Wissenschaftsmarketing,

646
00:38:35.080 --> 00:38:38.080
was da betrieben werden kann oder passieren
kann damit?

647
00:38:39.080 --> 00:38:43.080
Wer möchte zuerst?

648
00:38:43.080 --> 00:38:45.080
Urte? Soll ich mal anfangen?

649
00:38:45.080 --> 00:38:48.080
Also ich weiß gar nicht, ob ich das noch mal
jetzt alles einhole.

650
00:38:48.080 --> 00:38:50.080
Ich mache mal so einen Aufschlag noch mal,

651
00:38:50.080 --> 00:38:54.080
der auch, glaube ich, noch mal aufgreift, was
jetzt so gesagt wird.

652
00:38:54.080 --> 00:38:54.080
Ich glaube tatsächlich,

653
00:38:54.080 --> 00:38:59.080
dass es noch mal darum geht, zu gucken, was
Intersektionalität sein kann.

654
00:38:59.080 --> 00:39:04.040
Aus einer literaturwissenschaftlichen und literaturdidaktischen
Perspektive.

655
00:39:05.040 --> 00:39:08.040
Gerade wenn es um solche Fragen geht, wie

656
00:39:10.040 --> 00:39:14.040
Abgrenzung zu Konzepten von Diversität, Heterogenität,

657
00:39:14.040 --> 00:39:18.040
wo wir relativ schnell, glaube ich, uns im
Feld

658
00:39:18.040 --> 00:39:23.040
der Literatur und Literaturwissenschaft sehr
viel schneller sortieren können.

659
00:39:23.040 --> 00:39:24.040
Und ich glaube, das würde auch

660
00:39:24.040 --> 00:39:26.040
zum Beispiel für den Bereich der Kinder- und
Jugendliteratur gelten

661
00:39:28.040 --> 00:39:30.040
und Intersektionalität

662
00:39:30.040 --> 00:39:33.040
meint ja noch mal ein bisschen mehr und

663
00:39:33.040 --> 00:39:38.040
hat irgendwo ein gesellschaftspolitisches Konzept,
das dahinter steckt.

664
00:39:38.040 --> 00:39:42.040
Und das ist ja auch, also da würde ich das
noch mal auch betonen, was auch

665
00:39:42.040 --> 00:39:45.040
jetzt auch vor mir schon gesagt wurde, das
ist, glaube ich, da ein wichtiger,

666
00:39:47.040 --> 00:39:50.040
also ein wichtiges Potential liegt und man
erst mal sagen kann,

667
00:39:50.040 --> 00:39:53.040
es ist auch interessant in der Literaturwissenschaft

668
00:39:54.040 --> 00:39:56.040
und vielleicht dann auch in der Didaktik

669
00:39:56.040 --> 00:39:59.040
darüber auch stärker wieder zu reflektieren.

670
00:39:59.040 --> 00:40:00.000
Aber wie genau

671
00:40:02.000 --> 00:40:04.000
das funktioniert?

672
00:40:04.000 --> 00:40:07.000
Also für mich ist es immer auch noch eine
offene Frage

673
00:40:07.000 --> 00:40:10.000
und ich glaube, da geht es tatsächlich auch
noch mal darum,

674
00:40:10.000 --> 00:40:13.000
auch eine literaturwissenschaftliche Theoriebildung
voranzutreiben.

675
00:40:14.000 --> 00:40:17.000
Ja, also wenn die Frage ist, was ist eigentlich
gewonnen

676
00:40:17.000 --> 00:40:21.000
durch die Intersektionalität im Vergleich
zu oder vorherigen Ansätzen

677
00:40:22.000 --> 00:40:24.000
auf Gesellschaft zu schauen oder auch auf Literatur?

678
00:40:25.000 --> 00:40:27.000
Dann würde ich sagen, dass

679
00:40:27.000 --> 00:40:29.000
die in Blicknahme

680
00:40:29.000 --> 00:40:33.000
der inneren und äußeren Abhängigkeit oder
Interdependenzen

681
00:40:33.000 --> 00:40:35.000
verschiedenster Differenzkategorien

682
00:40:35.000 --> 00:40:37.000
und vor allen Dingen auch Diskriminierungsformen

683
00:40:37.000 --> 00:40:42.000
in unserer Lebensrealität oder auch in deren
Repräsentanz.

684
00:40:42.000 --> 00:40:47.000
Und es ist ja auch nicht nur eine einfache
Repräsentanz, was die Literatur leistet.

685
00:40:48.000 --> 00:40:50.000
Schon etwas ist, was

686
00:40:50.000 --> 00:40:53.000
durch die Intersektionalitätsforschung

687
00:40:53.000 --> 00:40:56.000
in theoretischer Hinsicht entfaltet wird.

688
00:40:56.000 --> 00:40:58.000
Und die Sozialwissenschaften, würde ich sagen,

689
00:40:58.000 --> 00:41:01.060
sind da deutlich weiter als die Literatur-
und Kulturwissenschaften.

690
00:41:01.060 --> 00:41:02.060
Wobei ich auch sagen würde,

691
00:41:02.060 --> 00:41:05.060
dass in den letzten zehn Jahren bereits sehr,
sehr viel passiert ist,

692
00:41:06.060 --> 00:41:09.060
wobei es sicherlich auch schon zuvor Analysen
gab,

693
00:41:09.060 --> 00:41:12.060
die im Prinzip das

694
00:41:12.060 --> 00:41:14.060
in den Blick genommen haben, was wir heute
als Intersektionalität

695
00:41:15.060 --> 00:41:19.060
adressieren, das aber nicht theoretisch oder
begrifflich entfaltet haben.

696
00:41:19.060 --> 00:41:21.060
Also das sollten wir, glaube ich, auch nicht
vergessen.

697
00:41:22.060 --> 00:41:25.060
Nichtsdestotrotz bietet halt einfach dieser
Begriff

698
00:41:25.060 --> 00:41:31.060
eine gewisse Verständigung, Grundlage unter
der wir dann verschiedenste Analysen

699
00:41:32.060 --> 00:41:34.060
gegeneinander abgleichen können.

700
00:41:34.060 --> 00:41:37.060
Und so wie jetzt wir hier miteinander ins Gespräch
kommen

701
00:41:37.060 --> 00:41:41.060
und da würde ich sagen, ist wirklich eine
wichtige Leistung

702
00:41:41.060 --> 00:41:44.060
neben der Leistung, dass die Intersektionalitätsforschung

703
00:41:44.060 --> 00:41:47.060
eben ein Brückenschlag sein kann zwischen

704
00:41:48.060 --> 00:41:51.060
sozialwissenschaftlicher Forschung und kulturwissenschaftlicher
Forschung.

705
00:41:52.060 --> 00:41:54.060
Und ein Ansatzpunkt bietet hier

706
00:41:55.060 --> 00:41:58.060
eine stärkere theoretische und analytische
Arbeit zu leisten.

707
00:41:58.060 --> 00:42:01.020
Und das betrifft dann natürlich für uns als
Literaturwissenschaftler*innen

708
00:42:01.020 --> 00:42:05.020
die Frage danach: Was ist eigentlich Literatur
in der Gesellschaft

709
00:42:05.020 --> 00:42:09.020
und was sind auch gesellschaftskritische, gesellschaftliche

710
00:42:09.020 --> 00:42:12.020
und gesellschaftspolitische Fragestellungen,
die durch Literatur

711
00:42:12.020 --> 00:42:13.020
bearbeitet werden?

712
00:42:13.020 --> 00:42:16.020
Und ganz wichtig: Wie macht das die Literatur
eigentlich?

713
00:42:17.020 --> 00:42:20.020
Und da würde ich sagen, öffnet die Intersektionalitätsforschung

714
00:42:20.020 --> 00:42:24.020
einfach ein Fenster, um diese alten Fragen
neu in den Blick zu nehmen.

715
00:42:25.020 --> 00:42:27.020
Also das hieße auch nur ganz kurz

716
00:42:27.020 --> 00:42:30.020
und sicher simplifizierende Nachfrage,

717
00:42:31.020 --> 00:42:35.020
eine Literatur- und Kulturwissenschaft, die
sich als Intersektionalität

718
00:42:36.020 --> 00:42:41.020
begreift, täte aber vielleicht auch gut daran,
auf Arbeiten zu blicken,

719
00:42:41.020 --> 00:42:43.020
die avant la lettre ähnliches tun

720
00:42:44.020 --> 00:42:48.020
und nicht den eigenen Innovationsanspruch zu
verabsolutieren.

721
00:42:48.020 --> 00:42:49.020
Vielleicht.

722
00:42:49.020 --> 00:42:50.020
Oder wäre das

723
00:42:50.020 --> 00:42:53.020
dann schon wieder zu defensiv und würde diese
auch strategische Funktion mindern?

724
00:42:55.020 --> 00:42:56.020
Also dann arbeiten sie

725
00:42:56.020 --> 00:42:58.020
zum Beispiel mit der race- class- gender-Trias
Arbeiten und vielleicht

726
00:42:59.020 --> 00:43:03.080
ja durchaus Interdependenzen reflektieren gibt
es ja eben deutlich länger.

727
00:43:04.080 --> 00:43:06.080
Und das wäre so eine Frage zum Praktischen.

728
00:43:08.080 --> 00:43:10.080
Ja, wahrscheinlich müssten wir uns

729
00:43:10.080 --> 00:43:13.080
dieser Frage stellen, man müsste diese vorhandenen
Arbeiten

730
00:43:14.080 --> 00:43:17.080
vor der Intersektionalitätsforschung nochmal
einer Relektüre unterziehen.

731
00:43:17.080 --> 00:43:19.080
Und wir müssen uns kritisch fragen: Was ist
denn

732
00:43:19.080 --> 00:43:24.080
unser analytisch-theoretischer Gewinn, den
wir inzwischen geleistet haben

733
00:43:24.080 --> 00:43:26.080
oder uns erarbeitet haben? Oder ist da gar
keiner?

734
00:43:26.080 --> 00:43:29.080
Also ich finde, diese Frage müsste man schon
sich dann selbstkritisch stellen.

735
00:43:30.080 --> 00:43:32.080
Also wichtig ist mir auf jeden Fall auch,

736
00:43:32.080 --> 00:43:36.080
dass Intersektionalität kein reines Schlagwort
sein kann,

737
00:43:36.080 --> 00:43:40.080
um unserer Forschung einfach nur noch mal so
einen stärkeren

738
00:43:40.080 --> 00:43:44.080
gesellschaftlichen Anstrich zu geben, sondern
dass da mehr kommen muss.

739
00:43:44.080 --> 00:43:46.080
Natürlich.

740
00:43:46.080 --> 00:43:50.080
Wobei zugleich die Faszination des Begriffs

741
00:43:50.080 --> 00:43:54.080
ja irgendwie auch für Erfolg und auch Anschlussfähigkeit

742
00:43:57.080 --> 00:43:59.080
das irgendwie ermöglicht, in einem gewissen
Sinne.

743
00:44:00.040 --> 00:44:01.040
Also das heißt, diese Forderung

744
00:44:01.040 --> 00:44:05.040
nach Präzisierung und Konkretisierung leuchtet
mir vollkommen ein.

745
00:44:05.040 --> 00:44:09.040
Aber die Möglichkeit, inter- oder transdisziplinäre
zu agieren,

746
00:44:09.040 --> 00:44:11.040
wird ja vielfach vorbereitet

747
00:44:11.040 --> 00:44:14.040
dadurch, dass Begriffe nicht zu eng gefasst
sind, womöglich

748
00:44:14.040 --> 00:44:16.040
aber vielleicht gibt es auch andere Stellungnahmen

749
00:44:16.040 --> 00:44:19.040
noch zu diesem, der Frage nach Innovation

750
00:44:20.040 --> 00:44:22.040
durch dieses Konzept

751
00:44:22.040 --> 00:44:25.040
bei Dir, bei Ihnen.

752
00:44:26.040 --> 00:44:30.040
Also ich glaube, also mir ist wichtig zu betonen,

753
00:44:30.040 --> 00:44:33.040
dass das, was vor mir schon mindestens zweimal
gesagt

754
00:44:33.040 --> 00:44:36.040
wurde, und zwar worum geht es uns Literaturwissenschaftler*innen?

755
00:44:36.040 --> 00:44:39.040
Und uns geht es darum, zu

756
00:44:39.040 --> 00:44:42.040
verstehen, wie Erzählen funktioniert

757
00:44:43.040 --> 00:44:46.040
und das ist die

758
00:44:48.040 --> 00:44:51.040
Herausforderung, aber auch das Potenzial,

759
00:44:52.040 --> 00:44:57.040
das Intersektionalitätsforschung für die
Literaturwissenschaft bereithält.

760
00:44:57.040 --> 00:45:01.000
Denn wir müssen jetzt nicht unbedingt das
Rad neu erfinden.

761
00:45:01.000 --> 00:45:03.000
Und es wäre natürlich auch

762
00:45:05.000 --> 00:45:07.000
jedes Vorhaben,

763
00:45:07.000 --> 00:45:11.000
neue Ansätze zu generieren.

764
00:45:11.000 --> 00:45:13.000
Wir können daran anschließen,

765
00:45:13.000 --> 00:45:16.000
was vor uns gemacht wurde, was jetzt auch gemacht
wird,

766
00:45:17.000 --> 00:45:21.000
und uns fragen: Wie können wir Intersektionalität
als

767
00:45:22.000 --> 00:45:27.000
eine Kategorie verstehen, erzählen, zu ergründen?

768
00:45:28.000 --> 00:45:31.000
Das heißt, wie gehen wir narratologisch vor,
wenn wir

769
00:45:31.000 --> 00:45:37.000
intersektionalitätstheoretische Ansätze in
unsere Arbeit

770
00:45:37.000 --> 00:45:40.000
als Literaturwissenschaftlerin und Literaturwissenschaftler

771
00:45:42.000 --> 00:45:43.000
integrieren?

772
00:45:43.000 --> 00:45:48.000
Was, was bedeutet es für die Narratologie
Intersektionalität zu denken?

773
00:45:49.000 --> 00:45:51.000
Was bedeutet das für die Metapherntheorie?

774
00:45:51.000 --> 00:45:54.000
Was bedeutet es für die

775
00:45:54.000 --> 00:45:57.000
historische Begriffsgeschichte und Semantik?

776
00:45:58.000 --> 00:46:01.060
Das ist das, was außer uns

777
00:46:02.060 --> 00:46:05.060
oder vielleicht können das auch Menschen außer
uns machen,

778
00:46:05.060 --> 00:46:06.060
aber wir können es am besten.

779
00:46:06.060 --> 00:46:08.060
Uns geht es ums erzählen.

780
00:46:08.060 --> 00:46:12.060
Egal ob dieses Erzählen hier stattfindet,
in diesem Raum,

781
00:46:12.060 --> 00:46:14.060
in Texten, in der Politik

782
00:46:16.060 --> 00:46:19.060
auf Twitter oder auf anderen Medien.

783
00:46:21.060 --> 00:46:24.060
Ich finde die Nachfrage nach diesem Aspekt

784
00:46:24.060 --> 00:46:27.060
von Wissenschaftsmarketing gar nicht uninteressant,
weil mich

785
00:46:28.060 --> 00:46:30.060
das einfach interessiert, auch aus der Perspektive

786
00:46:30.060 --> 00:46:32.060
der Wissenschaftsforschung und der Wissenschaft.

787
00:46:32.060 --> 00:46:36.060
Soziologie wie Disziplinen wie Literaturwissenschaft

788
00:46:36.060 --> 00:46:39.060
oder Literaturdidaktik im Rahmen von gesellschaftlicher
Transformation

789
00:46:39.060 --> 00:46:44.060
schon auch ihre Selbstbeschreibungen ändern,
um anschlussfähig zu bleiben.

790
00:46:44.060 --> 00:46:48.060
Und also das kann sein, dass auch früher schon

791
00:46:49.060 --> 00:46:52.060
Dinge getan wurden in der Forschung, die mit
dem,

792
00:46:52.060 --> 00:46:56.060
was heutzutage unter Intersektionalität firmiert,
kompatibel ist.

793
00:46:56.060 --> 00:46:57.060
Aber man hat es eben nicht so genannt

794
00:46:57.060 --> 00:46:59.060
und man hat es nicht so in den Vordergrund
gestellt.

795
00:46:59.060 --> 00:47:03.020
Jetzt tun wir es und sozusagen die Perspektive

796
00:47:03.020 --> 00:47:05.020
von Literaturwissenschaftler*innen und Literaturdidaktik

797
00:47:06.020 --> 00:47:10.020
ändert sich einfach und es wird in einem bestimmten
Bereich,

798
00:47:10.020 --> 00:47:13.020
wie ich finde, ein hohes Maß an Komplexität
erzeugt,

799
00:47:13.020 --> 00:47:16.020
in dem ohnehin schon interdisziplinär

800
00:47:17.020 --> 00:47:21.020
konstruierte Kategorien wie race class, gender

801
00:47:21.020 --> 00:47:25.020
nun auch noch mit Blick auf Interdependenzen
untersucht werden

802
00:47:25.020 --> 00:47:30.020
und aus der gesellschaftlichen Realität auf
literarische Texte beschrieben

803
00:47:30.020 --> 00:47:32.020
übertragen werden.

804
00:47:32.020 --> 00:47:35.020
Also ich glaube, da findet auf der Mikroebene
finden Sie finden sehr, sehr

805
00:47:35.020 --> 00:47:38.020
viele Umbauten statt, von denen abzuwarten
bleibt, wie nachhaltig sie sind.

806
00:47:39.020 --> 00:47:42.020
Denn zu diskutieren wäre ja ist Intersektionalität

807
00:47:43.020 --> 00:47:47.020
eine literaturtheoretische Position neben vielen?

808
00:47:47.020 --> 00:47:50.020
Also ich sehe sofort die Handbücher vor mir,
die kennen sie alle.

809
00:47:50.020 --> 00:47:54.020
Literarische Texte, Literatur, theoretisch
betrachtet.

810
00:47:54.020 --> 00:47:56.020
Da gibt es die Hermeneutik und den Poststrukturalismus.

811
00:47:56.020 --> 00:48:00.080
Und dann gibt es intersektionalitätsbezogene
Ansätze.

812
00:48:00.080 --> 00:48:04.080
Das würde mich interessieren, ob das denn
mit Blick auf die Zielrichtung

813
00:48:04.080 --> 00:48:06.080
und auf die Erkenntnisperspektive

814
00:48:06.080 --> 00:48:09.080
auch das eine Option ist oder ob das nicht
auch sehr stark

815
00:48:09.080 --> 00:48:15.080
mit einer Haltung zu tun hat, von der Gesellschaft

816
00:48:15.080 --> 00:48:19.080
momentan auch erwartet, dass Geistes- und Kulturwissenschaften

817
00:48:20.080 --> 00:48:23.080
und unterrichtsbezogene Wissenschaften sie
transportieren.

818
00:48:24.080 --> 00:48:25.080
Ich würde sagen, diese Erwartungshaltung ist

819
00:48:25.080 --> 00:48:27.080
in jedem Fall da, auch wenn sie höchst kontrovers
ist.

820
00:48:28.080 --> 00:48:29.080
Also es gibt ja kein

821
00:48:30.080 --> 00:48:30.080
bruchloses

822
00:48:30.080 --> 00:48:33.080
Einverständnis zu Intersektionalität, im
Gegenteil.

823
00:48:34.080 --> 00:48:37.080
Aber das, finde ich, ist schon eine interessante
Frage und das, was

824
00:48:37.080 --> 00:48:41.080
die Förderungswürdigkeit von bestimmten Unternehmungen

825
00:48:41.080 --> 00:48:43.080
momentan massiv erhöht, das ist ja unbestreitbar.

826
00:48:43.080 --> 00:48:47.080
Aber ich glaube, das gehört auch zur Logik
der Herstellung

827
00:48:47.080 --> 00:48:51.080
von Aufmerksamkeit in unserem Fach dazu.

828
00:48:51.080 --> 00:48:56.080
Ich bin mir gar nicht so sicher, ob das schon
in jedem Kontext so ist.

829
00:48:56.080 --> 00:48:57.080
Aber jedenfalls

830
00:48:57.080 --> 00:49:00.040
darf ich vielleicht zwei Punkte aufgreifen,
die

831
00:49:01.040 --> 00:49:03.040
zu der nächsten Frage, die wir uns überlegt
haben,

832
00:49:03.040 --> 00:49:04.040
zum nächsten Komplex überleiten.

833
00:49:04.040 --> 00:49:07.040
Und das ist insofern leicht, als die sich aus
den letzten beiden

834
00:49:08.040 --> 00:49:10.040
Statements auch

835
00:49:11.040 --> 00:49:13.040
relativ klar destillieren lassen.

836
00:49:13.040 --> 00:49:17.040
Also Iuditha hat davon gesprochen, dass wir
und das müssen wir sicherlich

837
00:49:17.040 --> 00:49:20.040
auch weiter versuchen, Konkretion brauchen.

838
00:49:20.040 --> 00:49:23.040
Bezogen auf die Frage Was tun wir auf einer
Mikroebene?

839
00:49:23.040 --> 00:49:25.040
So haben Sie es genannt,

840
00:49:25.040 --> 00:49:28.040
wenn wir mit Text operieren und bestimmte Dinge
rausfinden möchten.

841
00:49:28.040 --> 00:49:30.040
Als Literaturwissenschaftler*innen.

842
00:49:30.040 --> 00:49:34.040
Und dann haben Sie davon ausgehend, Herr Standtke
das Ganze noch mal auf eine

843
00:49:34.040 --> 00:49:37.040
ja auch wissenschaftspolitische

844
00:49:38.040 --> 00:49:41.040
Makroebene zurückgeführt und zu der würde
ich gerne noch mal kommen,

845
00:49:41.040 --> 00:49:45.040
auch wenn es ein bisschen Spring hin und her
ist, weil die Frage

846
00:49:45.040 --> 00:49:51.040
vielleicht ja auch etwas klarer werden kann,
was wir tun, wenn wir behaupten,

847
00:49:51.040 --> 00:49:54.040
eine intersektional operierende Literaturwissenschaft
zu betreiben.

848
00:49:54.040 --> 00:49:57.040
Das kann ja vielleicht klarer werden, wenn
wir das in ein Verhältnis setzen

849
00:49:57.040 --> 00:49:58.040
zu anderen

850
00:49:59.040 --> 00:50:02.000
Strömungen innerhalb unserer Disziplin.

851
00:50:02.000 --> 00:50:04.000
Also das heißt, meine Frage wäre ganz konkret

852
00:50:04.000 --> 00:50:07.000
Wie verhält sich denn Intersektionalität

853
00:50:08.000 --> 00:50:10.000
in der Literatur und von mir aus auch erweitert

854
00:50:10.000 --> 00:50:16.000
in der Kulturwissenschaft zu Strömungen wie
Gender Studies in diesem Feld.

855
00:50:16.000 --> 00:50:20.000
Disability Studies sind schon erwähnt worden
postkoloniale Studien.

856
00:50:21.000 --> 00:50:24.000
Ja, also dann wäre die Frage ergibt Intersektionalität
dann so eine

857
00:50:26.000 --> 00:50:27.000
Dach-Theorie?

858
00:50:27.000 --> 00:50:30.000
Wie verhält sich das ganze hierarchisch,

859
00:50:30.000 --> 00:50:34.000
auch im Wettbewerb um bestimmte Ressourcen
im Wissenschaftsbetrieb?

860
00:50:34.000 --> 00:50:36.000
Und das wird mich

861
00:50:36.000 --> 00:50:37.000
in doppelter Hinsicht interessieren.

862
00:50:37.000 --> 00:50:41.000
Erstens: Wie würden Sie, wie würdet ihr das
einschätzen?

863
00:50:41.000 --> 00:50:42.000
Wie ist der Stand der Dinge,

864
00:50:42.000 --> 00:50:45.000
also Verhältnis von Intersektionalität und
Forschung

865
00:50:45.000 --> 00:50:48.000
in der Literaturwissenschaft zu diesen anderen
kulturtheoretischen Ansätzen

866
00:50:48.000 --> 00:50:52.000
und der zweite Punkt ist: Was wäre wünschenswert

867
00:50:52.000 --> 00:50:57.000
und wie sollte dieses Verhältnis denn vielleicht
sein, wenn man das so sagt?

868
00:50:58.000 --> 00:50:59.000
Ja, ich kann ja mal

869
00:50:59.000 --> 00:51:02.060
versuchen eine Antwort zu formulieren aus meiner
Perspektive.

870
00:51:02.060 --> 00:51:05.060
Also ich würde nicht sagen, dass die Intersektionalitätsforschung

871
00:51:05.060 --> 00:51:09.060
in irgendeiner Art und Weise eine Alternative
ist zu Gender

872
00:51:09.060 --> 00:51:12.060
Studies, Postkolonialen Studien und ähnlichen
Richtungen,

873
00:51:13.060 --> 00:51:16.060
sondern eher eine Art integrative Perspektive
bereitstellt

874
00:51:16.060 --> 00:51:20.060
für diese verschiedenen bereits etablierten
Forschungsbereiche

875
00:51:21.060 --> 00:51:25.060
auch weniger gedacht, sondern wirklich eine
mögliche integrative Perspektive,

876
00:51:25.060 --> 00:51:27.060
die innerhalb dieser Kontexte

877
00:51:28.060 --> 00:51:32.060
Verwendung findet, aber nicht unbedingt Verwendung
finden muss.

878
00:51:32.060 --> 00:51:36.060
Also jetzt nicht normativ gesprochen, sondern
aus der Logik dieser verschiedenen

879
00:51:37.060 --> 00:51:39.060
heraus formuliert.

880
00:51:39.060 --> 00:51:40.060
Ich selbst

881
00:51:40.060 --> 00:51:41.060
bin im Rahmen der Gender Studies

882
00:51:41.060 --> 00:51:46.060
mit der Intersektionalitätsforschung bekannt
geworden und das ist

883
00:51:46.060 --> 00:51:47.060
glaube ich auch relativ typisch,

884
00:51:47.060 --> 00:51:50.060
weil eben insbesondere auch im deutschsprachigen
Raum dort

885
00:51:51.060 --> 00:51:54.060
ja die Vorreiter waren, die versucht haben

886
00:51:54.060 --> 00:51:57.060
Intersektionalitätsforschung zu betreiben.

887
00:51:58.060 --> 00:51:59.060
Was ich schön fände

888
00:51:59.060 --> 00:52:02.020
wäre tatsächlich, wenn auch jenseits dieser.

889
00:52:02.020 --> 00:52:05.020
Und man muss es ja so sagen, insbesondere

890
00:52:06.020 --> 00:52:08.020
in der germanistischen Literaturwissenschaft

891
00:52:08.020 --> 00:52:12.020
sind das ja immer noch gewisse Nischen, eigentlich
eher postkolonial und Gender

892
00:52:12.020 --> 00:52:14.020
Studies und ähnliche Bereiche

893
00:52:14.020 --> 00:52:18.020
werden darüber hinaus auch die intersektionalitätsforschung

894
00:52:18.020 --> 00:52:21.020
eine weitere Entwicklung finden würde, gerade
eben auch

895
00:52:21.020 --> 00:52:23.020
in erzähltheoretischer oder narratologischer
Perspektive.

896
00:52:24.020 --> 00:52:27.020
Das wäre so das, was mir als allererstes zu
der Frage einfallen würde.

897
00:52:30.020 --> 00:52:34.020
Darf ich da noch mal kurz zurückfragen?

898
00:52:34.020 --> 00:52:37.020
Ich finde das nachvollziehbar und schönen
Gedanken zu sagen,

899
00:52:37.020 --> 00:52:39.020
es ist keine Alternative, das sehe ich auch

900
00:52:39.020 --> 00:52:42.020
nicht, dass das abgelöst wird, sondern eine
integrative.

901
00:52:42.020 --> 00:52:43.020
Und wenn ich jetzt aber

902
00:52:43.020 --> 00:52:46.020
mich wieder in Schule zurückdenke oder auch
in Uni Seminare,

903
00:52:46.020 --> 00:52:49.020
dann kommt ja immer wieder auch so Fragen von:

904
00:52:50.020 --> 00:52:52.020
Was ist denn jetzt das Richtige, das Falsche?

905
00:52:52.020 --> 00:52:57.020
Das ist immer unsere Aufgabe, das irgendwie
wegzubekommen von dieser Frage.

906
00:52:57.020 --> 00:53:01.080
Ein Nebeneinander stehen, was an manchen Stellen

907
00:53:01.080 --> 00:53:02.080
aber auch gar nicht so leicht

908
00:53:02.080 --> 00:53:06.080
ist, wenn nicht das gleichbedeutend nebeneinanderstehen
zu lassen.

909
00:53:06.080 --> 00:53:10.080
Und deswegen haben wir versucht, am Anfang
so ein konkretes Beispiel reinzubringen,

910
00:53:10.080 --> 00:53:14.080
dass das, glaube ich, versucht hat zu zeigen,
dass das schon, auch

911
00:53:15.080 --> 00:53:18.080
wenn, wenn wir von einem Brückenschlag denken,
von Erzähltheorie

912
00:53:19.080 --> 00:53:23.080
hin zu Welt und weltbildnerischer Funktion
von Literatur.

913
00:53:24.080 --> 00:53:26.080
Da macht es einen Unterschied, ob ich einen
Text lese,

914
00:53:26.080 --> 00:53:29.080
in dem ich entdecke, einen Möglichkeitsraum,
der da suggeriert,

915
00:53:29.080 --> 00:53:32.080
Rassismus ist aufgelöst und ein anderer Blick
irgendwie

916
00:53:32.080 --> 00:53:35.080
zu einer ganz Macht affirmierenden Lesart kommt.

917
00:53:35.080 --> 00:53:37.080
Und wie gehen wir damit um?

918
00:53:37.080 --> 00:53:40.080
Also sagen wir, das darf nebeneinanderstehen,

919
00:53:40.080 --> 00:53:41.080
wollen wir doch irgendwie gewichten.

920
00:53:41.080 --> 00:53:44.080
Also da, finde ich, wird es spannend.

921
00:53:45.080 --> 00:53:45.080
Ja, da

922
00:53:45.080 --> 00:53:48.080
wird es spannend, weil literarische Texte eben
spannend sind.

923
00:53:48.080 --> 00:53:52.080
Und das Besondere an literarischen Texten ist
halt, dass sie je nachdem wie komplex

924
00:53:52.080 --> 00:53:57.080
sie sind, aber dass viele Texte halt verschiedene
Lesarten bereitstellen

925
00:53:57.080 --> 00:54:01.040
und die anbieten und die tatsächlich gleichzeitig
in einem Text enthalten sind.

926
00:54:02.040 --> 00:54:03.040
Also von daher kann ich dann auch einfach

927
00:54:03.040 --> 00:54:08.040
nur sagen, das ist ein gutes Beispiel, um diese
Dichotomie von richtig und falsch

928
00:54:08.040 --> 00:54:12.040
dann zu diskutieren und hoffentlich auch ein
Stück weit aufzulösen

929
00:54:12.040 --> 00:54:14.040
anhand dieser Intersektionalitätsforschung.

930
00:54:14.040 --> 00:54:16.040
Und letztlich denke ich muss das kontextabhängig

931
00:54:16.040 --> 00:54:20.040
für den jeweiligen literarischen Text dann
entschieden werden,

932
00:54:21.040 --> 00:54:24.040
welche Perspektivierung hier die zielführender
ist.

933
00:54:24.040 --> 00:54:28.040
Das finde ich extrem schwierig, das quasi im
luftleeren Raum

934
00:54:29.040 --> 00:54:30.040
und nicht am Material zu diskutieren.

935
00:54:30.040 --> 00:54:34.040
Deswegen war es toll, dass ihr gleich am Anfang
mit dem Beispiel eingestiegen seid.

936
00:54:36.040 --> 00:54:37.040
Aber hier finde ich es wirklich

937
00:54:37.040 --> 00:54:39.040
ganz wichtig, vom jeweiligen Material zu kommen.

938
00:54:39.040 --> 00:54:42.040
Aber natürlich kann man auch bestimmte Forschungsrichtungen
setzen.

939
00:54:42.040 --> 00:54:44.040
Also, und da würde ich dann aber auch noch
mal

940
00:54:44.040 --> 00:54:48.040
sagen, Stichwort Wissenschaftspolitik oder
Wissenschaftsmarketing,

941
00:54:48.040 --> 00:54:51.040
da habe ich in gewisser Hinsicht auch gar nicht

942
00:54:51.040 --> 00:54:54.040
das Gefühl, dass die Intersektionalitätsforschung
jetzt

943
00:54:54.040 --> 00:54:58.040
ein Bereich ist, mit dem man jetzt gerade sehr
viel gewinnen kann

944
00:54:58.040 --> 00:55:01.000
in wissenschaftspolitischer Hinsicht, sondern
immer noch ein Bereich ist,

945
00:55:01.000 --> 00:55:05.000
der definitiv noch nach Institutionalisierung
ruft.

946
00:55:05.000 --> 00:55:07.000
Und die haben wir noch gar nicht.

947
00:55:09.000 --> 00:55:11.000
Also was du, Eva, jetzt gerade gesagt hast,

948
00:55:11.000 --> 00:55:13.000
wollte ich noch vor dir gesagt haben.

949
00:55:13.000 --> 00:55:16.000
Ich finde es schön, dass

950
00:55:16.000 --> 00:55:18.000
dieses Ballspiel weitergeht.

951
00:55:20.000 --> 00:55:22.000
Wir gehen ja von Texten aus

952
00:55:22.000 --> 00:55:27.000
und die Texte geben uns doch etwas vor,

953
00:55:27.000 --> 00:55:31.000
was, was wir nicht vernachlässigen können
oder dürfen.

954
00:55:31.000 --> 00:55:33.000
Und ich kann.

955
00:55:33.000 --> 00:55:37.000
Ich kann nicht mit jedem Ansatz ein literarisches
Werk

956
00:55:37.000 --> 00:55:41.000
analysieren, denn wenn das Werk sich dagegen
wehrt oder

957
00:55:41.000 --> 00:55:44.000
vielleicht kann ich das, aber dann ist es schlechte
Literaturwissenschaft.

958
00:55:45.000 --> 00:55:48.000
Ich habe den Eindruck, dass vielleicht nicht

959
00:55:48.000 --> 00:55:52.000
der Begriff Intersektionalität, aber die Phänomene,

960
00:55:52.000 --> 00:55:55.000
die wir diesem Begriff zuordnen würden, dass
sie zumindest

961
00:55:55.000 --> 00:55:59.000
in der literaturdidaktischen Forschung und
auch in Vermittlungskontexten,

962
00:56:00.060 --> 00:56:02.060
die natürlich immer auch bildungspolitisch
und gesellschaftlich

963
00:56:03.060 --> 00:56:04.060
gerahmt werden, schon

964
00:56:05.060 --> 00:56:07.060
im Fokus stehen zurzeit.

965
00:56:07.060 --> 00:56:10.060
Und das Besondere, was vielleicht auch noch
so ein bisschen

966
00:56:10.060 --> 00:56:13.060
diese Indifferenz begründet, die Literatur-
und Kulturwissenschaften

967
00:56:14.060 --> 00:56:17.060
gegenüber diesen Aspekten haben, ist ja die
politische Dimension.

968
00:56:18.060 --> 00:56:20.060
Also wenn ich mich mit solchen

969
00:56:20.060 --> 00:56:23.060
Texten und Phänomenen beschäftige und Perspektiven
einnehme,

970
00:56:24.060 --> 00:56:27.060
wie sie im Bereich der Intersektionalität
vertreten werden,

971
00:56:27.060 --> 00:56:30.060
kommt natürlich zu der ästhetisch immanenten

972
00:56:30.060 --> 00:56:33.060
oder literaturtheoretischen abstrakten Diskussion.

973
00:56:33.060 --> 00:56:38.060
Immer sozusagen die ganz konkrete politische
Positionierung dazu.

974
00:56:38.060 --> 00:56:40.060
Da werde ich mit

975
00:56:40.060 --> 00:56:43.060
Phänomenen konfrontiert, Diskriminierungen,

976
00:56:44.060 --> 00:56:46.060
Beispiele brauchen wir gar nicht nennen im
Seminarraum,

977
00:56:46.060 --> 00:56:49.060
im Unterricht, in der Lehrkräfte, Bildung.

978
00:56:50.060 --> 00:56:52.060
Die Positionierungen erfordern,

979
00:56:52.060 --> 00:56:55.060
und zwar Positionierungen, die sich eben nicht
durch

980
00:56:56.060 --> 00:57:00.020
ästhetische Reflexion auflösen lässt oder
durch andere Literatur.

981
00:57:00.020 --> 00:57:03.020
Theoretische Konzepte kompensierbar ist.

982
00:57:03.020 --> 00:57:05.020
Und vielleicht auch nicht

983
00:57:05.020 --> 00:57:07.020
das Thema des letzten Germanisten Tages,

984
00:57:07.020 --> 00:57:10.020
der hier in Paderborn stattgefunden hat, noch
mal aufzugreifen,

985
00:57:11.020 --> 00:57:14.020
unendlich viel Mehrdeutigkeit verträgt, sondern
gerade

986
00:57:14.020 --> 00:57:16.020
wenn die Phänomene, die durch

987
00:57:16.020 --> 00:57:20.020
Intersektionalität dann beschrieben oder vermittelbar
werden sollen,

988
00:57:20.020 --> 00:57:22.020
im Rahmen der Reduktion von

989
00:57:22.020 --> 00:57:24.020
und Entwicklungsprozessen das ist im literaturwissenschaftlichen

990
00:57:24.020 --> 00:57:29.020
Seminar meiner Ansicht nach dasselbe wie im
Literaturunterricht,

991
00:57:29.020 --> 00:57:30.020
dann kommt man eben

992
00:57:30.020 --> 00:57:33.020
zu diesen Positionierungen und dann wird es
natürlich interessant.

993
00:57:34.020 --> 00:57:35.020
Also ist das sozusagen ein

994
00:57:36.020 --> 00:57:39.020
Tätigkeitsbereich oder eine Aufgabenbeschreibung.

995
00:57:39.020 --> 00:57:41.020
Die Literaturwissenschaft und die Literaturdidaktik

996
00:57:41.020 --> 00:57:44.020
in dieser Deutlichkeit für sich in Anspruch
nimmt.

997
00:57:44.020 --> 00:57:47.020
In Literaturdidaktik hat man in den 70er Jahren
den kritischen Deutschunterricht.

998
00:57:47.020 --> 00:57:50.020
Da ging es schon um Macht, Konstruktion, um
die Beschreibung von

999
00:57:52.020 --> 00:57:56.020
der Dominanz der Medien von oben und der kritischen
Perspektive,

1000
00:57:56.020 --> 00:58:00.080
die wir einnehmen sollen, also auch die Zurückdrängung
des Ästhetischen,

1001
00:58:00.080 --> 00:58:02.080
zu Gunsten zu einer Einsicht in Machtprozesse

1002
00:58:02.080 --> 00:58:05.080
und in Manipulation und so weiter und so fort.

1003
00:58:06.080 --> 00:58:09.080
Das ist dann interessanterweise relativ schnell
wieder verschwunden.

1004
00:58:09.080 --> 00:58:14.080
Es gibt so ein paar Erinnerungsmarker, die
in Literaturdidaktischen

1005
00:58:14.080 --> 00:58:16.080
Lektüreformaten noch enthalten sind,

1006
00:58:16.080 --> 00:58:16.080
aber es steht nicht mehr so

1007
00:58:16.080 --> 00:58:20.080
im Vordergrund, sondern es ging doch sehr weit,
wieder zu Konzepten

1008
00:58:20.080 --> 00:58:25.080
zurück, die die Eigengesetzlichkeit von literarischen
Texten betont hat

1009
00:58:26.080 --> 00:58:27.080
und diese vorschnelle Verschaltung

1010
00:58:27.080 --> 00:58:30.080
mit gesellschaftlicher Wirklichkeit eben gerade
umgangen hat.

1011
00:58:30.080 --> 00:58:33.080
Denn wenn wir in Vermittlungskontexten sind,
geht es eben

1012
00:58:34.080 --> 00:58:37.080
vielleicht sind in falsch und richtig, die
nicht die passenden Begriffe,

1013
00:58:37.080 --> 00:58:41.080
aber doch um angemessen, nicht angemessen und
das in einer

1014
00:58:42.080 --> 00:58:46.080
Lerner*innenwelt zu orchestrieren,

1015
00:58:46.080 --> 00:58:51.080
die eben selbst hochgradig intersektional angelegt
ist.

1016
00:58:51.080 --> 00:58:54.080
Das ist natürlich die große Herausforderung.

1017
00:58:54.080 --> 00:58:56.080
Ich würde auch eigentlich beim Thema, natürlich
beim Thema bleiben,

1018
00:58:57.080 --> 00:58:59.080
aber gerade bei diesem Spannungsverhältnis,

1019
00:58:59.080 --> 00:59:03.040
das sich hier abzeichnet, das, dass wir so
ein entweder-oder haben.

1020
00:59:03.040 --> 00:59:08.040
Also, hattest du das gesagt mit diesem Brückenschlag
irgendwo.

1021
00:59:08.040 --> 00:59:13.040
Also ich glaube, dass

1022
00:59:14.040 --> 00:59:16.040
das ist gar nicht so leicht in der Praxis umzusetzen,

1023
00:59:17.040 --> 00:59:18.040
und dass vielleicht so ein bisschen

1024
00:59:18.040 --> 00:59:22.040
die Frage, um die es sich immer wieder auch
dreht.

1025
00:59:22.040 --> 00:59:22.040
Auf der einen Seite gibt

1026
00:59:22.040 --> 00:59:26.040
es, glaube ich, ein großes Potenzial, auch
interdisziplinär zu arbeiten.

1027
00:59:26.040 --> 00:59:30.040
Und der Intersektionalität, was glaube ich
auch wissenschaftspolitisch

1028
00:59:30.040 --> 00:59:33.040
uns immer wieder angeraten wird durch sämtliche
Anträge, das muss

1029
00:59:33.040 --> 00:59:37.040
immer alles interdisziplinär sein.

1030
00:59:37.040 --> 00:59:40.040
Also welche, welche Chance liegt darin?

1031
00:59:40.040 --> 00:59:43.040
Und wo liegt die Gefahr, dieses Spannungsverhältnis,

1032
00:59:43.040 --> 00:59:48.040
dass wir das genuin Eigene, das Ästhetische
darüber auch verlieren?

1033
00:59:48.040 --> 00:59:52.040
Ästhetisches Lernen, ästhetische Erfahrung,

1034
00:59:53.040 --> 00:59:57.040
wenn wir zu stark in

1035
00:59:59.040 --> 01:00:03.000
sozialwissenschaftlichen Kategorien denken
und das Erzählen

1036
01:00:03.000 --> 01:00:05.000
vielleicht auch darüber ein Stück weit verlieren.

1037
01:00:06.000 --> 01:00:11.000
Also Ideen, wie wir dieses Spannungsverhältnis

1038
01:00:11.000 --> 01:00:15.000
in irgendeiner Weise aufgebrochen bekommen.

1039
01:00:15.000 --> 01:00:18.000
Also ich würde da noch mal anschließen, weil
ich glaube

1040
01:00:18.000 --> 01:00:21.000
ich, so ein bisschen warnen möchte, ist, glaube
ich, eine Gegenüberstellung

1041
01:00:21.000 --> 01:00:25.000
von gesellschaftspolitischer Wirksamkeit, Bedeutung,

1042
01:00:25.000 --> 01:00:27.000
Anspruch und sozusagen

1043
01:00:28.000 --> 01:00:31.000
ästhetischer Ambiguität Mehrdeutigkeit.

1044
01:00:31.000 --> 01:00:34.000
Also ich glaube sozusagen, das Projekt könnte
ja sein,

1045
01:00:34.000 --> 01:00:37.000
genau, sozusagen miteinander in Verbindung
zu bringen.

1046
01:00:38.000 --> 01:00:41.000
Und dann haben wir jetzt ein paar Mal über
literarische Verfahren gesprochen

1047
01:00:41.000 --> 01:00:44.000
und sozusagen, für die einen

1048
01:00:45.000 --> 01:00:47.000
sind die erzählten Texte da ganz zentral.

1049
01:00:47.000 --> 01:00:50.000
Ich habe dann immer noch im Blick, dass es
auch andere gibt,

1050
01:00:51.000 --> 01:00:56.000
also dramatische Texte zum Beispiel, die das
noch mal anders machen, aber auch

1051
01:00:57.000 --> 01:00:58.000
spannend ist.

1052
01:00:58.000 --> 01:01:01.060
Ich glaube aber, dass der Punkt tatsächlich
noch mal auch bei diesem schon

1053
01:01:01.060 --> 01:01:05.060
mehrfach gefallenen Stichwort eigentlich wirklich
der Erkenntnisperspektiven ist.

1054
01:01:05.060 --> 01:01:06.060
Und das

1055
01:01:07.060 --> 01:01:09.060
glaube ich, ist auch nicht so einfach gelöst.

1056
01:01:09.060 --> 01:01:13.060
Es ging sozusagen bei der Idee Intersektionalität

1057
01:01:14.060 --> 01:01:18.060
erst mal um eine Frage von Diskriminierung
und wie Diskriminierung passiert

1058
01:01:18.060 --> 01:01:20.060
und was man dagegen tun kann.

1059
01:01:20.060 --> 01:01:22.060
Und ich glaube,

1060
01:01:22.060 --> 01:01:25.060
wenn man das dann ernst nimmt, das für eine

1061
01:01:25.060 --> 01:01:29.060
literaturwissenschaftliche Perspektive zu

1062
01:01:30.060 --> 01:01:32.060
übertragen, dann muss man sich eben schon

1063
01:01:32.060 --> 01:01:36.060
auch damit auch auseinandersetzen, was

1064
01:01:36.060 --> 01:01:39.060
sozusagen Fragen von Ungleichheit sind und
wie Texte

1065
01:01:40.060 --> 01:01:42.060
das verhandeln.

1066
01:01:43.060 --> 01:01:46.060
Und ich weiß gar nicht die Lösung.

1067
01:01:46.060 --> 01:01:47.060
Ich ich will nur sagen, sozusagen,

1068
01:01:47.060 --> 01:01:50.060
ich sehe da eigentlich so ein bisschen das
Problem drin, und ich

1069
01:01:51.060 --> 01:01:55.060
könnte mir vorstellen, dass es auch

1070
01:01:56.060 --> 01:01:58.060
Tendenzen gibt in der literaturwissenschaftlichen

1071
01:01:58.060 --> 01:02:02.020
Intersektionalitätsforschung, vor denen ich
eher warnen würde,

1072
01:02:02.020 --> 01:02:05.020
wenn sie sozusagen anfangen, Kategorien

1073
01:02:05.020 --> 01:02:10.020
in Texten aufzuspüren, sie immer wieder durchzuspielen

1074
01:02:10.020 --> 01:02:13.020
und aufzuarbeiten und zu gucken, wo da Kreuzungen
stattfinden.

1075
01:02:14.020 --> 01:02:17.020
Dann wird es, glaube ich, irgendwann ein Selbstzweck

1076
01:02:17.020 --> 01:02:22.020
und das Paradigma, das mal dahinter stand,
geht verloren.

1077
01:02:25.020 --> 01:02:28.020
Ja, wenn

1078
01:02:28.020 --> 01:02:30.020
die Frage jetzt auch noch mal dahin geht,

1079
01:02:31.020 --> 01:02:35.020
wie ist so eine inter- oder transdisziplinäre
Zusammenarbeit

1080
01:02:35.020 --> 01:02:36.020
auf diesem Feld zu bewerten,

1081
01:02:36.020 --> 01:02:39.020
dann würde ich sagen, aus der Perspektive
und ich glaube, da

1082
01:02:39.020 --> 01:02:42.020
wiederhole ich mich jetzt eigentlich auch schon
der Literaturwissenschaft,

1083
01:02:43.020 --> 01:02:46.020
dass es in Richtung so einer allgemeinen Narratologie
auch gehen könnte,

1084
01:02:46.020 --> 01:02:48.020
und dass ich da einen Gewinn sehen würde.

1085
01:02:48.020 --> 01:02:52.020
Also sie als Expertin fürs Erzählen, ja,

1086
01:02:52.020 --> 01:02:58.020
für die erzählerische Hervorbringung auch
von Figuren, Figurationen und damit

1087
01:02:58.020 --> 01:03:02.080
letztlich auch von soziokulturellen Artefakten

1088
01:03:03.080 --> 01:03:06.080
sind eigentlich auch Expert*innen dafür, wie
dieses Erzählen

1089
01:03:06.080 --> 01:03:09.080
auch in unserer Lebensrealität funktioniert

1090
01:03:09.080 --> 01:03:15.080
und wie dieses Erzählen auch dazu beiträgt,
bestimmte kollektive oder

1091
01:03:19.080 --> 01:03:23.080
und auch Diskriminierungsformen,

1092
01:03:23.080 --> 01:03:26.080
die darauf basieren, unter Umständen hervorzutreiben.

1093
01:03:26.080 --> 01:03:29.080
Und da könnte ich mir vorstellen, dass dort
eben eine interessante

1094
01:03:29.080 --> 01:03:34.080
Zusammenarbeit zwischen Literatur- und Sozialwissenschaften
entstehen könnte.

1095
01:03:34.080 --> 01:03:37.080
Also mehr so in Richtung einer allgemeinen
Narratologie.

1096
01:03:37.080 --> 01:03:39.080
Also wie funktioniert eigentlich

1097
01:03:39.080 --> 01:03:42.080
Erzählen in unserer Lebensrealität und was
hat das auch

1098
01:03:42.080 --> 01:03:47.080
mit Intersektionalität und Interdependenz
von Differenzkategorien zu tun?

1099
01:03:48.080 --> 01:03:51.080
Eine andere Fragestellung, die ich auch interessant
finde und wichtig

1100
01:03:51.080 --> 01:03:52.080
finde, ist dann eher eine

1101
01:03:52.080 --> 01:03:56.080
literatur-.soziologische Fragestellung, die
dann womöglich auch in der Didaktik

1102
01:03:57.080 --> 01:04:00.040
oder mit Blick auf den Literatur- und Kulturbetrieb
relevant ist.

1103
01:04:00.040 --> 01:04:04.040
Nämlich einfach die Frage Wer ist eigentlich
sichtbar, wer spricht?

1104
01:04:05.040 --> 01:04:08.040
Und das ist dann natürlich eine immanent politische
Fragestellung,

1105
01:04:08.040 --> 01:04:12.040
die ein bisschen anders gelagert ist von der
Blickperspektive

1106
01:04:12.040 --> 01:04:15.040
und von den analytischen Instrumenten, die
man da dann braucht

1107
01:04:15.040 --> 01:04:16.040
und in Anschlag bringen muss.

1108
01:04:16.040 --> 01:04:18.040
Beides finde ich extrem wichtig

1109
01:04:18.040 --> 01:04:21.040
und würde das auf gar keinen Fall gegeneinander
ausspielen wollen.

1110
01:04:23.040 --> 01:04:25.040
Zumal diese allgemeine Erzähltheorie,

1111
01:04:26.040 --> 01:04:28.040
die du ansprichst ja keine wäre, die

1112
01:04:30.040 --> 01:04:31.040
ein genuin

1113
01:04:31.040 --> 01:04:35.040
ästhetisches Erzählen ausschließt, sondern
eben dezidiert einschließt

1114
01:04:35.040 --> 01:04:39.040
und eben Erweiterung vornimmt, um andere Formen
des Erzählens

1115
01:04:39.040 --> 01:04:42.040
jenseits des Literaturbegriffs im engen Sinne.

1116
01:04:43.040 --> 01:04:44.040
Ich würde gerne, wenn das

1117
01:04:45.040 --> 01:04:47.040
möglich ist und wenn ich jetzt nicht auf Widerstand
stoße,

1118
01:04:47.040 --> 01:04:50.040
gerne zum nächsten Fragenkomplex übergehen,

1119
01:04:52.040 --> 01:04:55.040
der einer ist,

1120
01:04:55.040 --> 01:04:58.040
der vielleicht auch das in Frage stellt,

1121
01:04:58.040 --> 01:05:00.000
was wir hier machen oder der in Frage stellt,

1122
01:05:01.000 --> 01:05:03.000
wie die Einladungspolitik, will ich das jetzt
nicht nennen.

1123
01:05:03.000 --> 01:05:04.000
aber das ist nicht nur die Einladung

1124
01:05:04.000 --> 01:05:07.000
Entscheidung von Magdalena und mir aussieht.

1125
01:05:07.000 --> 01:05:10.000
Denn wenn man zurückblickt in die Geschichte,
ist Intersektionalität.

1126
01:05:10.000 --> 01:05:14.000
Der Begriff ist ja meistens das, was als Starting
Point begriffen wird.

1127
01:05:14.000 --> 01:05:19.000
Der Artikel von 89 von Kimberley, Crenshaw
und grundsätzlich

1128
01:05:19.000 --> 01:05:22.000
ist dieses Feld zunächst mal stark geprägt

1129
01:05:22.000 --> 01:05:25.000
worden von schwarzen Frauen.

1130
01:05:25.000 --> 01:05:28.000
Und die Frage, die,

1131
01:05:28.000 --> 01:05:32.000
die man sich doch stellen sollte,

1132
01:05:32.000 --> 01:05:35.000
und deswegen stelle ich sie jetzt jedenfalls,
ist

1133
01:05:35.000 --> 01:05:37.000
wie in diesen institutionellen Kontexten,

1134
01:05:37.000 --> 01:05:40.000
über die wir schon gesprochen haben, wie viel
ist da auch eine Rolle spielt,

1135
01:05:40.000 --> 01:05:44.000
wer denn Intersektionalitätsforschung betreibt,

1136
01:05:44.000 --> 01:05:48.000
wer sie jetzt in dem für uns unmittelbar relevanten

1137
01:05:48.000 --> 01:05:52.000
Kontext deutscher Universitäten betreibt,
wer Zugang

1138
01:05:53.000 --> 01:05:56.000
zu dieser Institution hat, um Intersektionalitätsforschung
zu betreiben

1139
01:05:56.000 --> 01:05:58.000
und inwieweit dieser ja

1140
01:05:58.000 --> 01:06:01.060
in meines Erachtens sehr plausibler Weise jetzt
schon vielfach betonte

1141
01:06:02.060 --> 01:06:04.060
politische Stachel,

1142
01:06:04.060 --> 01:06:05.060
der dem Ganzen innewohnt,

1143
01:06:05.060 --> 01:06:07.060
vielleicht doch abgebrochen wird

1144
01:06:07.060 --> 01:06:09.060
oder zumindest entschärft wird.

1145
01:06:09.060 --> 01:06:14.060
Wenn diejenigen, die Intersektionalitätsforschung
betreiben, nicht

1146
01:06:15.060 --> 01:06:17.060
diejenigen sind, die

1147
01:06:17.060 --> 01:06:20.060
in in besonderem Maße zum Beispiel Diskriminierungserfahrungen

1148
01:06:20.060 --> 01:06:23.060
dieser Gesellschaft oder im akademischen Kontext
machen.

1149
01:06:24.060 --> 01:06:27.060
Also das ist eine grundsätzliche Frage, die
immer, wenn

1150
01:06:29.060 --> 01:06:31.060
sozialkritisch operierende

1151
01:06:32.060 --> 01:06:34.060
Forschungsprogramme Mainstream werden.

1152
01:06:34.060 --> 01:06:37.060
Aber wie gehen wir damit um?

1153
01:06:38.060 --> 01:06:40.060
Gibt es da Vorschläge oder

1154
01:06:40.060 --> 01:06:42.060
Differenzierungsbedarf?

1155
01:06:42.060 --> 01:06:45.060
Aber vorbeikommen an dieser Frage?

1156
01:06:45.060 --> 01:06:48.060
Ja, meiner Einschätzung nach nicht ganz,

1157
01:06:49.060 --> 01:06:52.060
ohne dass ich jetzt Patentlösungen natürlich
erwarte von den

1158
01:06:54.060 --> 01:06:56.060
Angesprochenen hier, weil es so wahnsinnig
schwierig

1159
01:06:56.060 --> 01:06:58.060
ist, darauf eine Frage zu geben, für die ich
mich

1160
01:06:58.060 --> 01:07:02.020
auch mal auf die Prozessbeschreibungen und
verweise auf mein Eingangsstatement.

1161
01:07:02.020 --> 01:07:04.020
Genau das ist ein Aspekt, für den ich mich
interessiere:

1162
01:07:05.020 --> 01:07:09.020
Aie kommen wir eigentlich in die Situation
und in eine Akteursperspektive,

1163
01:07:09.020 --> 01:07:13.020
dass solche Konzepte und Kategorien für uns
operabel sind?

1164
01:07:13.020 --> 01:07:17.020
Also irgendwie muss in diesen Prozessen der
travelling concepts,

1165
01:07:17.020 --> 01:07:20.020
der Theorietransfers müssen ja Prozesse wirksam
sein,

1166
01:07:20.020 --> 01:07:23.020
einerseits der Entideologisierung, aber dann
auch wieder der Aufladung

1167
01:07:23.020 --> 01:07:27.020
mit gesellschaftlicher Energie in einem bestimmten
Kontext, der dazu führt,

1168
01:07:28.020 --> 01:07:31.020
machttheoretisch betrachtet, dass die Dinge
sagbar werden.

1169
01:07:31.020 --> 01:07:33.020
Das funktioniert,

1170
01:07:33.020 --> 01:07:35.020
platt gesagt, durch die Ausblendung von Kontexten

1171
01:07:35.020 --> 01:07:39.020
und durch die Kontextualisierung in bestimmten

1172
01:07:39.020 --> 01:07:42.020
Handlungszusammenhängen beispielsweise der
deutschen

1173
01:07:42.020 --> 01:07:47.020
Universität, die ja sehr stark in Aushandlungsprozessen
begriffen ist.

1174
01:07:47.020 --> 01:07:51.020
Und ich würde sagen, intersektionale Perspektiven
auf literarische Texte

1175
01:07:51.020 --> 01:07:54.020
in der Literaturwissenschaft haben genau das
Problem, in einem Kontext

1176
01:07:54.020 --> 01:07:58.020
zu agieren, in dem ein hohes, sensibles Bewusstsein
für

1177
01:08:00.080 --> 01:08:02.080
Konsequenzen von Intersektionalität bestehen

1178
01:08:02.080 --> 01:08:04.080
in der gesellschaftlichen Institution.

1179
01:08:04.080 --> 01:08:08.080
Und gleichzeitig aber Räume gebraucht werden,
in denen auch

1180
01:08:08.080 --> 01:08:12.080
und so verstehe ich unsere Diskussion noch
in einem Modus gesprochen werden kann

1181
01:08:12.080 --> 01:08:17.080
über Texte, der nicht entschieden hat, was
Intersektionalität

1182
01:08:17.080 --> 01:08:20.080
tatsächlich ist, nämlich eine Analyseoption,

1183
01:08:20.080 --> 01:08:24.080
eine Perspektive auf literarische Texte oder
eben

1184
01:08:24.080 --> 01:08:29.080
eine Art Zusammenhang, der mich zu Texten und
zu Menschen,

1185
01:08:29.080 --> 01:08:32.080
mit denen ich über Texte spreche, in ein Verhältnis
setzt.

1186
01:08:33.080 --> 01:08:36.080
Und dafür braucht es eine Makroperspektive.

1187
01:08:36.080 --> 01:08:38.080
Solche Prozesse muss man beschreibbar machen

1188
01:08:38.080 --> 01:08:41.080
und ich glaube, da könnte die Wissenschaft,
Soziologie

1189
01:08:42.080 --> 01:08:44.080
oder die Wissenschaftsforschung sehr viel beitragen,

1190
01:08:44.080 --> 01:08:48.080
wenn sie genau so was auch fokussiert.

1191
01:08:50.080 --> 01:08:52.080
Jetzt kommt, jetzt komme ich mit dem Satz,

1192
01:08:52.080 --> 01:08:55.080
den wir vorhin schon angekündigt

1193
01:08:55.080 --> 01:08:59.080
hatten, und zwar auf dem Weg hierhin.

1194
01:08:59.080 --> 01:09:02.040
Wir hatten ja schon mal darüber gesprochen.

1195
01:09:04.040 --> 01:09:05.040
Also es war

1196
01:09:05.040 --> 01:09:07.040
tatsächlich eine Frage, die wir unterwegs,

1197
01:09:09.040 --> 01:09:12.040
Stefan Hermes und ich unterwegs diskutiert
haben.

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01:09:12.040 --> 01:09:13.040
Inwiefern

1199
01:09:14.040 --> 01:09:18.040
IntersektionalitätsfForschung

1200
01:09:19.040 --> 01:09:24.040
an Universitäten, na ja, sozusagen gerechter,

1201
01:09:24.040 --> 01:09:28.040
international gerecht betrieben wird oder betrieben
werden kann.

1202
01:09:28.040 --> 01:09:33.040
Und ich hatte ein wenig aus dem Kulturbetrieb
erzählt.

1203
01:09:33.040 --> 01:09:36.040
Es hat sich herausgestellt, dass der Kulturbetrieb
dem

1204
01:09:36.040 --> 01:09:39.040
Universitätsbetrieb meilenweit voraus ist,

1205
01:09:40.040 --> 01:09:44.040
obwohl der auch noch nicht so weit ist, wie
wir das gerne hätten.

1206
01:09:44.040 --> 01:09:48.040
Und auf die Frage Wer darf, wer kann Text und

1207
01:09:50.040 --> 01:09:52.040
Forschung betreiben?

1208
01:09:52.040 --> 01:09:54.040
Würde ich persönlich antworten

1209
01:09:54.040 --> 01:09:58.040
Alle sollen es machen können.

1210
01:09:58.040 --> 01:10:02.000
Aber ich wünschte mir auch ein bisschen mehr
Diversität auf diesem Podium.

1211
01:10:02.000 --> 01:10:04.000
Trotzdem sitze ich hier also

1212
01:10:06.000 --> 01:10:10.000
und es braucht tatsächlich Räume

1213
01:10:10.000 --> 01:10:15.000
dafür, Universitäten

1214
01:10:17.000 --> 01:10:19.000
personell diverser zu gestalten.

1215
01:10:20.000 --> 01:10:24.000
Divers insofern, als dass in der Intersektiolaitätsforschung

1216
01:10:26.000 --> 01:10:30.000
aus verschiedenen Perspektiven, aus verschiedenen
persönlichen,

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01:10:30.000 --> 01:10:34.000
individuellen Perspektiven heraus betrieben
werden

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01:10:34.000 --> 01:10:39.000
kann, aber auch Räume dafür,

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01:10:40.000 --> 01:10:46.000
Sensibilität dafür entwickeln zu lassen oder
entwickeln zu können.

1220
01:10:46.000 --> 01:10:50.000
Denn letztlich geht es tatsächlich um eine
Kompetenz, die Sensibilität

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01:10:51.000 --> 01:10:56.000
erforderlich macht, also auch intersektional-theoretisch
geschult

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01:10:56.000 --> 01:10:59.000
intersektional zu lesen und zu forschen

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ist eine Kompetenz, die erworben werden kann.

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Also genauso wie wir

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01:11:06.060 --> 01:11:09.060
in den Einführungsveranstaltung

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01:11:10.060 --> 01:11:14.060
postkoloniale Theorieansätze lesen,

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01:11:14.060 --> 01:11:17.060
können wir auch Intersektionalitätsforschung

1228
01:11:19.060 --> 01:11:25.060
lesen und unterrichten, besprechen.

1229
01:11:25.060 --> 01:11:30.060
Aber es ist tatsächlich das Problem, die Institutionalisierung

1230
01:11:31.060 --> 01:11:37.060
eines Ansatzes.

1231
01:11:37.060 --> 01:11:39.060
Ja, wir sind am Ende angekommen.

1232
01:11:39.060 --> 01:11:42.060
Wir haben sogar etwas die 90 Minuten überzogen

1233
01:11:42.060 --> 01:11:45.060
und wir könnten glaube ich noch weiter machen.

1234
01:11:45.060 --> 01:11:49.060
Vielen, vielen Dank fürs Anreißen hier in
echt zusammenkommen können.

1235
01:11:49.060 --> 01:11:58.060
Ich fand das sehr schön.

