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Musik spielt.

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00:00:10.333 --> 00:00:13.375
Guten Tag, ich möchte heute mit Ihnen darüber
sprechen,

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00:00:13.583 --> 00:00:17.166
was bedeutet Literatur der postmigrantischen
Gesellschaft.

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00:00:22.416 --> 00:00:27.250
Der Begriff der postmigrantischen Gesellschaft
wurde in der Soziologie und in der

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00:00:27.250 --> 00:00:33.750
Politologie entwickelt und er verweist darauf,
dass Migration nicht mehr ein

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00:00:33.750 --> 00:00:40.500
Phänomen ist, das eine Ausnahme darstellt,
sondern das sozusagen den Normalfall der

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00:00:40.500 --> 00:00:46.250
Gesellschaft darstellt und das also Migration
und migrierte Menschen,

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00:00:46.500 --> 00:00:52.000
also nicht Außenseiter der Gesellschaft sind,
sondern genauso wie alle anderen

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00:00:52.000 --> 00:00:57.083
mitten in der Gesellschaft stehen. Und im Rahmen
der Literaturwissenschaft und

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00:00:57.083 --> 00:01:03.000
Literaturgeschichte können wir also sagen,
dass wir von der Migrationsliteratur zur

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00:01:03.000 --> 00:01:06.000
Literatur der postmigrantischen Gesellschaft
gehen.

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00:01:06.000 --> 00:01:12.000
Und wie ich an anderer Stelle schon dargestellt
habe, können wir also seit der

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00:01:12.000 --> 00:01:16.000
1970er und 1980er Jahren von einer Literatur
der

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00:01:16.000 --> 00:01:19.000
Migration oder eben von Migrationsliteratur
sprechen.

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00:01:20.000 --> 00:01:26.000
Das heißt, von einer Literatur in der Erfahrungen
der Migration literarisch

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00:01:26.000 --> 00:01:30.000
dargestellt werden: Erfahrungen der Migration
und

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00:01:30.000 --> 00:01:35.000
Erfahrungen der Migrierten mit der deutschen
Mehrheitsgesellschaft.

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00:01:35.000 --> 00:01:42.000
Da ist zunächst in dieser sogenannten Gastarbeiterliteratur
oft eine Perspektive,

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00:01:43.000 --> 00:01:50.000
dass die Migrierten als Opfer erscheinen. Aber
in der Migrationsliteratur geht es

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00:01:50.000 --> 00:01:56.000
vor allen Dingen dann auch darum, dass die
Migrierten selber eine Stimme haben und

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00:01:56.000 --> 00:02:00.000
dass sie also mit speziellen literarischen
Mitteln ihre

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00:02:00.000 --> 00:02:04.000
migrierte Subjektivität ins literarische Zentrum
stellen.

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00:02:04.000 --> 00:02:12.000
Und seit den 2010er Jahren spricht die Soziologie
und Politologie von einer

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00:02:12.000 --> 00:02:18.000
postmigrantischen Gesellschaft. Das bedeutet
also jetzt, dass wir davon sprechen,

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00:02:18.000 --> 00:02:21.000
dass die Gesellschaft und die Sprache in

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00:02:21.000 --> 00:02:25.000
Deutschland durch das Phänomen der Migration
geprägt sind.

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00:02:26.000 --> 00:02:32.000
Und der Begriff postmigrantisch wird analog
verwendet zu dem Begriff Postkolonial.

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00:02:33.000 --> 00:02:40.000
Und Postkolonial bedeutet ja, formal gibt es
keinen Kolonialismus mehr, aber die

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00:02:40.000 --> 00:02:45.000
heutigen Gesellschaften in Europa sind geprägt
und auch die Gesellschaften zum

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00:02:45.000 --> 00:02:50.000
Beispiel in Afrika sind geprägt durch die
Auswirkungen des Kolonialismus.

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00:02:50.000 --> 00:02:55.000
Und genauso können wir sagen, Postmigration
bedeutet also, auch wenn große

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00:02:55.000 --> 00:03:01.000
Migrationsbewegungen abgeschlossen sind, wie
zum Beispiel die Arbeitsmigration, ist

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00:03:01.000 --> 00:03:06.000
die Gesellschaft durch dieses Phänomen der
Migration extrem geprägt.

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00:03:07.000 --> 00:03:13.000
Und worum es geht, in der postmigrantischen
Perspektive, das ist ein neuer Blick

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00:03:13.000 --> 00:03:17.000
auf Migration und auch ein Aushandeln von

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00:03:17.000 --> 00:03:23.000
Identitäten, und zwar jenseits von Integration
und Leitkultur.

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00:03:23.000 --> 00:03:30.000
Weil Integration, ein positiv gemeinter Begriff,
aber Integration beinhaltet immer

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00:03:30.000 --> 00:03:34.000
die Idee, dass da welche von außen kommen,
die in

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00:03:34.000 --> 00:03:37.000
das Ganze hineinkommen sollen, integriert werden.

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00:03:38.000 --> 00:03:42.000
Und eigentlich geht es jetzt darum, dass wir
sagen, die Migrierten und ihre

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00:03:42.000 --> 00:03:45.000
Nachkommen und die schon immer in Deutschland,

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00:03:45.000 --> 00:03:49.000
Lebenden mit ihren Familien, sind gleichberechtigt.

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00:03:49.000 --> 00:03:55.000
Insofern ist also auch die Rede von der deutschen
Leitkultur aus

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00:03:55.000 --> 00:04:01.000
kulturwissenschaftlicher und soziologischer
Sicht problematisch, weil es nämlich

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00:04:01.000 --> 00:04:06.000
sozusagen eine Überlegenheit, der, wenn sie
wollen, bio-deutschen gegenüber den

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00:04:06.000 --> 00:04:09.000
Menschen mit einer Migrationsgeschichte unterstellt.

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00:04:09.000 --> 00:04:14.000
Postmigrantisch also bedeutet, die Gesellschaft
der Gegenwart ist durch Migration

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00:04:14.000 --> 00:04:17.000
geprägt und die kulturelle Diversität der

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00:04:17.000 --> 00:04:22.000
Gesellschaft verlangt eine Aufgabe des hegemonialen
Diskurses.

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00:04:22.000 --> 00:04:29.000
Also diese Idee des Verlernens des hegemonialen
Blickes stammt aus der

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00:04:29.000 --> 00:04:36.000
postkolonialen Theorie von Gayatri Spivak und
die hegemoniale Repräsentation kann

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00:04:36.000 --> 00:04:42.000
man so verstehen: Die Migrierten werden in
dem Sinne als die anderen betrachtet,

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00:04:42.000 --> 00:04:46.000
dass sie gegen die herrschende Erwartung verstoßen
und insofern unterlegen sind.

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00:04:47.000 --> 00:04:51.000
Und wir verstehen unter Blickregime: Die Mehrheit

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00:04:51.000 --> 00:04:55.000
bestimmt den Blick auf die Gesellschaft und
definiert die Norm.

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00:04:55.000 --> 00:05:00.000
Und Othering ist die Definition des Anderen
als desjenigen,

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00:05:00.000 --> 00:05:03.000
der nicht der Norm der gesellschaftlichen Mehrheit
entspricht.

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00:05:03.000 --> 00:05:08.000
Und die Aufgabe der postmigrantischen Gesellschaft
wäre eben gerade diesen

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00:05:08.000 --> 00:05:15.000
hegemonialen Blick zu verlernen und in kultureller
Perspektive Diversität als

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00:05:15.000 --> 00:05:19.000
Gleichberechtigung aller in der Gesellschaft
vertretenen Kulturen zu verstehen.

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00:05:20.000 --> 00:05:22.000
Beziehungsweise die Einsicht zu gewinnen in
die

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00:05:22.000 --> 00:05:27.000
umfassende Hybridität der kulturellen Identitäten.

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00:05:27.000 --> 00:05:32.000
Das ist also der soziologische und politische
Blick.

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00:05:32.000 --> 00:05:35.000
Und jetzt die Frage also, was kann die Literatur

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00:05:35.000 --> 00:05:39.000
der postmigrantischen Gesellschaft dabei leisten?

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00:05:39.000 --> 00:05:43.000
Und das ist glaube ich sehr klar eigentlich
jetzt zu definieren.

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00:05:43.000 --> 00:05:49.000
Also die Literatur kann eben gerade dazu beitragen,
das

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00:05:49.000 --> 00:05:54.000
Verlernen des hegemonialen Blicks als Aufgabe
zu verstehen.

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00:05:55.000 --> 00:05:59.000
Sie kann also Menschen und Positionen eine
Stimme

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00:05:59.000 --> 00:06:05.000
verleihen, die bisher als marginal angesehen
wird.

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00:06:05.000 --> 00:06:11.000
Und Naika Foroutan sagt also diese Idee, dass
die Marginalisierten eine Stimme

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00:06:11.000 --> 00:06:15.000
bekommen, das ist nicht irgendwie eine linke

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00:06:15.000 --> 00:06:19.000
Position, die also nur sich um Minderheiten
kümmert,

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00:06:19.000 --> 00:06:23.000
sondern das ist eine Forderung, die sich aus
dem Grundgesetz ergibt.

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00:06:23.000 --> 00:06:29.000
Denn das Grundgesetz verlangt die Achtung der
Würde aller Menschen unserer

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00:06:29.000 --> 00:06:33.000
Gesellschaft und ist kulturell neutral, dabei
aber gegen

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00:06:33.000 --> 00:06:37.000
eine Verabsolutierung bestimmter kultureller
Prägungen.

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00:06:38.000 --> 00:06:42.000
Also wir können weiterhin stolz auf Goethe
und Schiller sein, auf die deutsche

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00:06:42.000 --> 00:06:46.000
Tradition, aber wir sehen diese deutsche

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00:06:46.000 --> 00:06:48.000
Tradition nicht als eine ethnisch gebundene,

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00:06:48.000 --> 00:06:51.000
sondern wir sehen sie schon immer auch als

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00:06:51.000 --> 00:06:55.000
im Austausch begriffen mit anderen Kulturen.

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00:06:55.000 --> 00:07:00.000
Und wenn wir jetzt nochmal fragen, was ist
also dann postmigrantische Literatur?

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00:07:00.000 --> 00:07:04.000
Das ist also Literatur, in der Subjekte

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00:07:04.000 --> 00:07:07.000
sprechen, die bisher in der Gesellschaft am
Rand standen.

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00:07:07.000 --> 00:07:13.000
Und wir können das auch sogar dann narratologisch
interpretieren, das heißt wer

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00:07:13.000 --> 00:07:19.000
bekommt eine Stimme, zum Beispiel in einem
Roman, in wessen Perspektive wird

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00:07:19.000 --> 00:07:25.000
fokalisiert, also durch welchen Fokus werden
bestimmte Erfahrungen dargestellt

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00:07:25.000 --> 00:07:32.000
oder gibt es zum Beispiel Polyphonie, das heißt,
dass mehrere Stimmen in einem

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00:07:32.000 --> 00:07:39.000
Roman gehört werden oder auf dem Theater,
dass unterschiedliche Figuren sprechen und

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00:07:39.000 --> 00:07:46.000
so also die herrschende Perspektive auf die
Welt, die hegemoniale Perspektive auf

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00:07:46.000 --> 00:07:49.000
die Welt relativiert und herausgefordert wird.

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00:07:49.000 --> 00:07:56.000
Also das heißt, wir sehen also eine Literatur,
die also versucht die Gesellschaft

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00:07:56.000 --> 00:08:05.000
aus der Perspektive bisher marginalisierter
Subjekte zu betrachten und auch die

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00:08:05.000 --> 00:08:07.000
Mehrheitsgesellschaft herauszufordern, dass

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00:08:07.000 --> 00:08:10.000
sie ihren hegemonialen Blick infrage stellt.

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00:08:10.000 --> 00:08:16.000
Und diese Infragestellung des hegemonialen
Blicks verbindet die postmigrantische

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00:08:16.000 --> 00:08:22.000
Perspektive auch zum Beispiel mit einer Genderperspektive,
denn sehr oft ist der

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00:08:22.000 --> 00:08:28.000
hegemoniale Blick auch männlich orientiert
und es gibt auch eine soziale

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00:08:28.000 --> 00:08:34.000
Perspektive im Hinblick auf Klasse oder Englisch
'class', denn sehr oft ist der

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00:08:34.000 --> 00:08:39.000
hegemoniale Blick auch bürgerlich orientiert
und damit also auch gerichtet geht.

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00:08:40.000 --> 00:08:44.000
Und das ist also die hegemonale Regen vermeintlich
sozial Marginalisierte. Und wir

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00:08:44.000 --> 00:08:53.000
beobachten also das ungefähr seit 2010 sehr
viele Romane, Theaterstücke entstehen,

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00:08:53.000 --> 00:08:58.000
die in dieser Perspektive betrachtet werden
können und die von daher also auch als

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00:08:58.000 --> 00:09:01.000
postmigrantisch bezeichnet werden können.

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00:09:01.000 --> 00:09:08.000
Wobei es noch eine unmittelbare Beziehung gibt
zu dem Begriff postmigrantisch, denn

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00:09:08.000 --> 00:09:14.000
wir haben sehr oft Texte von Autorinnen und
Autoren, deren Eltern oder Großeltern

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00:09:14.000 --> 00:09:18.000
nach Deutschland migriert sind und die selber
in Deutschland geboren sind und sich

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00:09:18.000 --> 00:09:22.000
aber eben gerade dadurch als postmigrantisch
definieren.

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00:09:22.000 --> 00:09:30.000
Und die Regisseurin Shermin Langhoff hat 2004
zum ersten Mal im Theaterkontext den

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00:09:30.000 --> 00:09:36.000
Begriff postmigrantisch verwendet und seit
2008 gibt es in Berlin das

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00:09:36.000 --> 00:09:41.000
postmigrantische Theater im Ballhaus Naunynstraße
und

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00:09:41.000 --> 00:09:45.000
jetzt auch im Maxingorchi Theater im Berliner
Zentrum.

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00:09:45.000 --> 00:09:52.000
Also wir haben eine postmigrantische Kultur
und eine postmigrantische Literatur,

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00:09:53.000 --> 00:10:00.000
der es darum geht, also den bisher als Außenseiterperspektive
verstandenen Blick in

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00:10:00.000 --> 00:10:04.000
die Gesellschaft hinein zu tragen und also
einen Dialog zwischen der

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00:10:04.000 --> 00:10:11.000
Mehrheitsgesellschaft und den Minderheiten
zu etablieren.

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00:10:11.000 --> 00:10:16.000
Wobei Minderheit eigentlich auch schon ein
problematischer Ausdruck ist, wenn 30

119
00:10:16.000 --> 00:10:20.000
bis 40 Prozent aller Menschen in der Bundesrepublik

120
00:10:20.000 --> 00:10:24.000
Deutschland einen sogenannten Migrationshintergrund
haben.

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00:10:24.000 --> 00:10:30.000
Also postmigrantisch, wären von daher auch
nicht nur die Stimmen derer, die

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00:10:30.000 --> 00:10:35.000
bisher als Minderheit verstanden werden, sondern
eigentlich ist jeder Text, jede

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00:10:35.000 --> 00:10:40.000
literarische Stimme postmigrantisch, weil auch
die in Deutschland geborenen

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00:10:40.000 --> 00:10:47.000
Menschen mit deutscher Familie, weil sie auch
eigentlich ihre Position innerhalb

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00:10:47.000 --> 00:10:51.000
der postmigrantischen Gesellschaft neu bestimmen
müssen.

126
00:10:51.000 --> 00:10:52.000
Dankeschön.

